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Der Negerkönig Zamba : eine Sklavengeschichte. Seitenstück zu "Onkel Tom's Hütte" / [Barth]
Entstehung
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4 1. Zamba's Kindheit.

Ende des Dorfes in den Congo. Der königliche Palaſt, der ſich über alle andern Häuſer erhob, bildete in der That ein ſehr beträchtliches Gebäude. Er war ringförmig und hatte in der Mitte eine Art von Kuppel, in welcher eine

alte Schiffsglocke hing, die bei allen bedeutenden Anläſſen,

trauriger oder freudiger Art, angezogen wurde. Das Innere des Hauſes war in achtzehn oder zwanzig Gemächer geteilt, von denen namentlich zwei in einer Weiſe ausgeſtattet waren, die einen Europäer in Verwunderung ſetzen würde. Der

Harem du wirſt ohne Zweifel lächeln, freundlicher Leſer,

daß ich dieſe Benennung einem ſo unanſehnlichen Gebäude und bei einem ſo barbariſchen Volke gebe war mit reichen Teppichen und Ruhekiſſen und mit einigen ſehr ſchönen Spiegeln verziert. Das Audienzzimmer hatte etwa 20 Fuß im Quadrat, einen Fußboden von ſchön poliertem Holz und hübſche Seſſel und Tiſche von ausländiſcher Arbeit. Die Wände waren mit vielen ſchönen Kupferſtichen geſchmückt, worunter ich mich namentlich eines Bildes des engliſchen Königs Georg III. zu Pferd, einiger Porträts von engliſchen Admiralen und einiger Gemälde von Seeſchlachten erinnere; vor allem aber erregte eine ſehr ſchöne Anſicht von London täglich meine Aufmerkſamkeit. Als ich noch ein kleiner Knabe war, ſtand ich ſtundenlang vor dieſem Bild und betrachtete das Meer von Gebäuden; und oft beluſtigte ich mich damit, daß ich die Häuſer und ſogar die Fenſter zu zählen ver⸗

ſuchte. Meine Rechenkunſt brachte es aber nie höher, als

bis zur Zahl meiner Finger und Zehen, dann mußte ich wieder von vorne anfangen. Man wird vielleicht fragen, wie denn mein Vater zu ſolchen Luxusgegenſtänden gekommen ſei. Antwort: durch ſeinen Verkehr mit den Sklavenhändlern, der einen beträchtlichen Teil ſeiner Beſchäftigung ausmachte. Ich darf nicht vergeſſen, des Thrones zu erwähnen, der