1 er 16 5
19⁸
u ihren Füßen einen Bauer mit brennender Kerze. Sie ſpornten ihre Pferde und bald drückten ſie die Hand der armen Selvaggia in der ihrigen; ſie war ſo entſtellt, daß ſie kaum ein Schatten von ihr zu ſein ſchien.
Sie blickte Laudomia und Lamberto an und ihr edles glühendes Herz war ganz in dieſen letzten Blicken ausge⸗ goſſen. Sie ſchwieg eine Weile, um die wenigen Kräfte zu ſammeln, die ihr übrig geblieben waren, dann ſagte ſie mit vom Todeskampfe gebrochener Stimme:
„Ich habe ihn nicht gefunden„ den Frie⸗ den merkt es wohl niemals! Statt deſſen wuchs ich fühlte es in meinem Her⸗ zen der Tod. Ich fürchtete, nicht mehr bis hieher zu gelangen„ nun bin ich da Gott ſei dafür gelobt! Geſegnet mögt Ihr Beide ſein die Ihr allein die arme Dirne geliebt habt„ Lamberto lege mir die Hand auf die Stirne„„ es war mein letzter Wunſch. am Ufer des Po in jener Nacht. O nenne mich die Deine„ v verzeihe, Laudomia aber ich liebe ihn jetzt, wie man im Himmel liebt„„
Während Lamberto die Hand auf die Stirne des armen Mädchens legte, fühlte er ſie erkalten, ein ſeliges Lächeln ſtralte um ihre Lippen, auf denen der Todesengel ſeinen Sitz nahm. Lamberto und ſeine Gattin weinten lange über der Leiche derjenigen, welcher viel vergeben ſein mußte, weil ſie viel geliebt hatte, dann begruben ſie ſie ehrenvoll in der geweihten Erde des Kirchleins.„„
Eine lange Reihe von Jahren hindurch verging das Leben der beiden Gatten unter fortwährenden ſchweren Schlägen des Schickſals. Ein eifriger Bewahrer des Schwu⸗ res, den er Niccolo geleiſtet hatte, folgte Lamberto mit Bindo und Fanfulla, ſo lange ſie lebten, dem Schickſale der Verbannten; er folgte demſelben gleicherweiſe nach
Niccolo de' Lapi. M. 13


