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um ihn auf ſeinem Grabe anzubeten, in dem Lande, wo er für unſere Seligkeit ſein Leben hingab. Ich werde Euch immer in meinem Herzen tragen, die Ihr allein auf dieſer Erde mich geliebt, mir Alles geſchenkt habt, was mir zu eben in Euren Kräften ſtand; aber mein armes Herz verlangte mehr. Ich ſegne Euch, betet für mich zu Gott, daß er mir Frieden ſchenke und meine Leiden ende, ich werde ihn um ein langes glückliches Leben für Euch bitten.
Eure Selvaggia.“
Zwei Jahre ſpäter befanden ſich Laudomia und Lam⸗ berto eines Abends in ihrem Zimmer; er las einen Brief von Bindo, ſie bewegte mit den Füßen eine Wiege, in welcher ein ſchönes Kind von fünf Monaten ſchlief, dem ſie den Namen Niccolo beigelegt hatten. Ein Mann erſchien und ſagte ihnen, es ſei während des verfloſſenen Tages eine Frau im Hafen ausgeſchifft worden, welche augenſcheinlich von einer ſehr ſchweren Krankheit ergriffen ſeiz ſie habe ſich ſogleich nach Serravezza begeben wollen; da jedoch ihre Kräfte allzuſehr geſchwunden ſeien, ſei ſie gezwungen geweſen, ſich in einer S änfte tragen zu laſſen, die man inſ der Eile aus Baumzweigen verfertigt und mit einem Segeltuche überdeckt habe. Als ſie bis zu der Kirche der Madonna di Quercia gekommen, habe ſie ihr Ende nahe gefühlt und ſich an der Kirchenthüre unter eini⸗ gen Cypreſſen niederſetzen laſſen und ſende nun, um Lau⸗ vomia und Lamberto zu bitten, ſie möchten eiligſt zu ihr kommen.
Beide riefen zu gleicher Zeit:„Selvaggia!“
In banger Haſt, ſich darüber Gewißheit zu verſchaffen, ſiegen ſie zu Pferde und begaben ſich ſchnell an Ort und Stelle.
Die Nacht war heiter und der Mondſchein warf auf die weiße Wand des Kirchleins den dunkeln Schatten der Sypreſſen. Sie ſahen das Sterbelager von ſern, das Weib, das dgrauf lag, einen Prieſter ihr zur Seite und


