Teil eines Werkes 
8.-10. Bdchn. (1845)
Entstehung
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Dir gleich beim Erſtenmale, als Du von Deiner Liebe zu mir redeteſt: daß ich Dir wohl entſagen, aber Dich nicht im Mindeſten mit einer Andern theilen könne! Sie, das weiß ich wohl, wäre vordem nicht einmal eines Gedan⸗ kens von Dir würdig geweſen, aber die Reue gibt der Seele ihren urſprünglichen Adel zurück.öffnet nicht Gott der Reue ſelbſt die Pforten des Himmels? Ich kann es nicht mit anſehen, daß ſie um meinetwillen ſo unglück⸗ lich ſein ſoll... zumal da mit der Zeit auch Du es werden müßteſt, das würde die arme Laudomig zur Ver⸗ zweiflung bringen, laſſe mich daher meine Ruhe in Gvott ſuchen und im Gedanken daran, daß ich Euch glück⸗ lich weiß.

Bis hieher war es Lamberto gelungen, dem Drange, ſich zu den Füßen ſeiner Verlobten zu werfen, zu wider⸗ ſtehen und er genoß im vollen Maße die Wonne, dieſes himmliſche Herz ſanft dargelegt zu erblicken; hier aber konnte er ſich nicht mehr halten, er ſenkte ſeine Stirn auf den Saum ihres Kleides und bedeckte es mit tauſend Küſſen; endlich fand er Worte, wie ſie Derjenigen, die ſie vernahm, wie ſie ſeiner Liebe würdig waren; Worte, die alle ihre Zweifel hoben und ihre Furcht überwanden; eine ruhige und heitere Zuverſicht kehrte wieder in Laudomia's Herz und verbreitete ſich auf ihren Zügen; ſie legte ihre weiße Hand auf Lamberto's Stirne und ſagte;Nun, ſo bin ich denn auf immer Dein!

5 . 3.

Sie kamen nach Hauſe zurück, da es bereits Nacht war. Selvaggia war nirgends zu finden. Spät in der Nacht erſchien ein Bauer mit einem Briefe, ſie öffneten ihn und laſen folgende Worte:

Meine letzte Hoffnung, Ruhe zu finden, baue ich auf den Gott, den ich durch Euch kennen lernte. Ich gehe,