Teil eines Werkes 
8.-10. Bdchn. (1845)
Entstehung
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zeugt wird und eben ſo ſehr diejenigen erniedrigt, die ſie empfinden, als diejenigen, die Veranlaſſung und Vorwand dazu geben. Sie konnte ſich aber unmöglich verbergen, daß Selvaggia ſchön ſei, ſowie daß ihr Unglück und das groß⸗ müthige Opfer, das ſie fortwährend brachte, ihren Ein⸗ druck nicht verfehlen konnten, und Lambertos Gattin lebte deshalb mit einer fortwährenden Angſt im Herzen, die eben ſo ſchmerzlich, als ihr unerklärlich war.

Zu klug, um nicht errathen zu können, welche Qualen Selvaggias Herz empfinden mußte und zu liebevoll, um nicht jedes Mittel, ihre Schmerzen zu lindern, aufzuſuchen, wußte ſie, wenn ſie alle drei beiſammen waren, nicht wie ſie ſich gegen ihren Gatten benehmen ſollte. Sie fürchtete immer, ihre Liebe zu ihm allzu offen an den Tag zu legen; zuweilen ſchien es ihr ſogar, als ob Selvaggia ſie haſſen müſſe, ja ſie wirklich haſſe; in andern Augenblicken durch⸗ zuckte ſie der Gedanke wie ein Blitz, Lamberto könne kälter werden oder gar ſeine Geſinnungen ändern, und wenn ſie varin irrte, ſo ſchien doch ihre Furcht nicht ganz unge⸗ für denjenigen, der nach dem bloßen Anſchein ur⸗ theilte.

In dem Herzen des Jünglings gab es kein Gefühl, keinen Gedanken, der nicht ſeiner Laudomia gehört hätte, aber gerade weil er ſie ſo ſehr liebte, wurde er ein ſehr ſtrenger, ſelbſt ungerechter Richter über ſich ſelbſt, indem er glaubte, keine Zuneigung oder Dankbarkeit gegen Sel⸗ vaggia fühlen zu dürfen, ohne die Liebe, die er der Toch⸗ ter Niccolos geſchenkt hatte, ganz zu entweihen. Wenn er ſich mit beiden Mädchen zuſammen befand, ſo fürchtete er beſtändig durch jeden Blick, jede Geberde und jedes Wort, das er an Selvaggia richtete, ſeine Braut zu beleidigen; daher entſtand eine ſolche Befangenheit in ſeinem Beneh⸗ men und in ſeinen Reden, daß man leicht in den Irrthum gerathen konnte, dieß ganz andern Urſachen zuzuſchreiben. Ob das Zuſammenleben von Menſchen, die ſich in ſolcher Lage befinden, die Innigkeit und Herzlichkeit, welche