Teil eines Werkes 
8.-10. Bdchn. (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

180

nachdem ſie ſo viel und ſelbſt den Verſtand verloren, nur

noch die Liebe für dieſen Verräther ungeſchwächt und ſo

mächtig in ihrem Herzen behielt, daß ſie bis zu den höch⸗ ſten Jahren und bis zum letzten Seußzer nichts Anderes denken konnte, als für ihn beten und weinen!

In den erſten Tagen des Oktobers hatte Lamberto,

der ſich gewiſſermaßen jetzt als das Haupt und den An⸗

führer ſeiner Umgebung betrachten durfte, Monte Murrlo ver⸗ laſſen, wo ſie allzu nah an Florenz waren und von den neuen Gewalthabern fortwährende Gefahr liefen. Er be⸗ gab ſich mit derſelben nach Serravezza, nicht ohne große Beſchwerlichkeit für die arme Laudomia, deren wankende Geſundheit durch Liſa's Unglück mehr als je gelitten hatte.

Es iſt die erhabene Eigenſchaft wahrhaft edler und tugendhafter Herzen, auch in den fürchterlichſten Prüfungen ruhig und heiter bleiben zu können. Dieſer Friede der Seele, den die neidiſche Ohnmacht gewöhnlicher Seelen mit der Apathie verwechſelt, erhielt Laudomia am Leben und gab ihr nach und nach ihre Kräfte wieder und weckte ßie ſo zu ſagen zu einem neuen Daſein.

In dem Hauſe, in welchem ſie wohnten, einem der erſten, wenn man von Ripa her in die Stadt kommt, wa⸗ ren ſie ziemlich bequem eingerichtet und erholten ſich von ſo großen Drangſalen durch die Ruhe eines innigen häus⸗ lichen, von der übrigen Welt abgeſchiedenen Lebens, welches für die Betrübten ſo wohlthuend iſt und für jeden Menſchen als das höchſte Gut betrachtet werden kann. Aber wie Wenigen iſt es vergönnt, ein ſolches zu genießen?. Die Süßigkeit eines ſolchen Lebens durfte jedoch Lamberto und Bindo nicht verführen, den erhabenen Gedanken an das Vaterland, an Niccolos letzte Worte und an den Schwur, den ſie auf ſeinem Grabe geleiſtet hatten, zu vergeſſen. Kaum hatten ſie ihre Angelegenheiten auf die Dauer geordnet, ſo begannen ſie darüber nachzudenken, auf welche Weiſe ſie am beſten zu dem großen Zwecke,