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und denen, die ſie lieben, eine weit ſchmerzlichere Kluft, als der Tod ſelbſt; denn es iſt ein leichterer Kummer, das Hinſcheiden eines Geiſtes zu beweinen, mit dem man lange Zeit Gefühle und Gedanken getauſcht hat; als ihn ent⸗ würdigt und untergraben zu ſehen.
Eiſa's Wahnſinn war nicht mit Raſerei verbunden, obgleich, wie es ſchien, unheilbar. Sie verbrachte mehrere Stunden und zuweilen ganze Tage unbeweglich in ſtum⸗ pfem Schweigen; ihre Augen ſahen weit aufgeſperrt mit ſtarrem geſpanntem, man hätte ſagen können verſteinertem Blick zur Erde, und zuweilen ſagte ſie leiſe:„Er war ein Verräther!“ In lichten Augenblicken ſchien ſie die Perſo⸗ nen um ſie her zu erkennen und ihre Worte zu verſtehen, aber es waren nur kurze Blitze in einer unendlichen Nacht. Da man ihrem Benehmen zufolge nichts von ihr fürchten zu müſſen glaubte, ſo geſtattete man ihr viele Freiheit und gab ihr blos auf ihren Ausgängen eine Bäuerin mit, welche den Auftrag erhielt, ein wachſames Auge auf ſie zu haben; denn ein Arzt, den man Gelegenheit gehabt hatte, um Rath zu fragen, war der Meinung geweſen, man ſolle ſie ſo viel als möglich in die freie Luft und an anmuthig gelegene Orte führen.
Eines Tages wußte ſie mit jener Schlauheit, welche bei den Wahnſinnigen zuweilen den Verſtand überlebt, auf einem ihrer Ausgänge ihre Führerin auf wenige Augenblicke zu entfernen. Als die Bäuerin an den Ort zurückkam, wo ſie Liſa verlaſſen hatte, war dieſe verſchwunden und ſo ſehr ſie auch ſuchte und in der Umgebung herumlief, war keine Spur von ihr zu finden und keine Nachricht zu er⸗ halten, ſie kehrte weinend in das Haus zurück und erzählte der Familie, was ſich begeben hatte. In der größten Be⸗ ſtürzung machten ſich Alle, Laudomia ausgenommen, auf, die arme Fluchtige zu erſpähen, liefen an den Abhängen und in den Gebüſchen unterhalb der Burg umher und rie⸗ fen ſie beim Namen, indem ſie jeden Buſch, jeden Zaun und jeden Schlupfwinkel wiederholt durchſuchten. Alles


