Teil eines Werkes 
8.-10. Bdchn. (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

164

Du kannſt, ich will nicht ſagen ihn haſſen, verzeihe ihm lieber, Tochtert möge ihm Gott auch ſo verzeihen! aber Du kannſt ihn meiden, Du biſt nicht an einen Verräther gefeſſelt, Du kannſt, wenn nicht glücklich, doch in Ruhe und Ehre iit Deinen Brüdern und mit Laudomia leben, kannſt gehen, wohin dieſe gehen und vielleicht ſieh, ich bin alt und hienieden iſt Nichts von Dauer, das Glück nicht, aber eben ſo wenig der Schmerz vielleicht kommt noch eine Zeit, da die Wunden Deines armen Her⸗ zens vernarben.“

Während Niccolo ſprach, hatte Liſa ihre Blicke ſtarr auf ſein Geſicht gerichtet und ſchien ihn aufmerkſam anzu⸗ hören. Auf einmal ſchlug ſie die Hände zuſammen und preßte ſie gewaltſam und rief mit herzzerreißender Stimme:

„So hat er mich alſo niemals, niemals geliebt!.. nicht einmal damals!.... Nichts iſt wahr geweſen, was er mir geſagt hat! Selbſt nicht ein Einzigesmal! Und ſein Geſicht, wie engelſchön!.. O, Troilo, wie warſt Du ſo ſchön!„

Hier ſah Niccolo, der ſeine Tochter mit ängſtlicher Beſorgniß angeblickt hatte, auf einmal ihr Geſicht und ihre Augen ſich völlig verändern; es wurden ganz andere Züge und die vorigen waren verſchwunden, wie wenn ſie eine Maske abgenommen hätte.

Das Licht der Vernunft, welches bei ihr ſchon ge⸗ ſchwächt war, war durch dieſen letzten Schlag völlig er⸗ loſchen. Sie war wahnſinnig geworden.

Sie blieb längere Zeit unbeweglich, dann ſtreckte ſie die Arme aus, wie wenn man ſich im Traume oder aus Miüdigkeit dehnt, dann lachte ſie und bewegte die Lippen ſchnell, als wenn ſie mit ſich ſelbſt plauderte und geſtiku⸗ lirte bald mit der einen Hand, bald mit der andern.

Niccolo bedeckte ſeine Augen mit den Händen und Bruder Benedetto ſagte voll tiefen Mitleids und mit ge⸗ rührter Stimme zu ihm:

„Riecolv, es iſt nun Zeit, ſich daran zu erinnern,