Pflicht und erſpart Dir noch größeres Unheil. Fühlſt Du Dich wohl in der Faſſung, mich anhören zu können.“
„Ich bin ruhig, mein lieber Vater, Ihtr ſeht es ja!“
Niccolo war nicht ganz beruhigt, wenn er das Klo⸗ pfen ihrer Bruſt, die Bläſſe und beſonders den Blick Liſa's beobachtete; dennoch hoffte er, ihr mehr Gutes als Schlim⸗ mes zu erzeigen, indem er ihr ſagte:
„Höre alſo, meine Liſa: Du weißt nur zu ſehr, daß Du verrathen worden biſt, aber Du weißt nicht, wie weit dieſer Verrath ging; nun merke darauf, bevor ich Dir das Weitere ſage, daß die Schande nicht auf der Seite desje⸗ nigen iſt, der betrogen wurde, ſondern auf der des Be⸗ trügers. Halte Dich daher nicht für das, was Du nicht biſt und nie haſt werden können, denn eine Gefallene warſt Du nie Wiſſe alſo, und beinahe möchte ich ſagen, freue Dich darüber, daß Du nicht Troilo's Weib biſt, nie W
Liſa erbebte.
„Sei ruhig, armes Kind! Höre mich an! Sieh, Gott will Dir dadurch vielleicht einen Weg bahnen„ Gib mir Gehör! Nein, Du biſt nicht ſein Weib; er hat Dich durch eine Scheinehe betrogen. Derjenige, den Du für einen Prieſter hielteſt, war ein Stallknecht, und nicht zufrie⸗ den damit, ſteilte der Verräther auch noch der Ehre Dei⸗ ner Schweſter nach; er führte ſie geſtern Nacht nach il Barom und wenn Gottes Barmherzigkeit ihr nicht Hilfe geſandt hätte, ſo würde ſie ihm nicht haben entgehen kön⸗ nen.“ Nun erzählte er ihr dieſe Begebenheit mit wenigen Wortne„Armes Kind! Ich weiß wohl, daß Dir dieſes ſchrecklich vorkommen muß und ſo ging es auch mir, als ich es erfuhr.. Aber bedenke, daß Du keine Schuld haſt, denn es war nicht Dein Wille, kann alſo auch keine Schande für Dich ſein. Es war ein Ungluck, ein furchtbares Unglück, aber Nichts weiter; wäre es aber nicht ein noch ſchrecklicheres, wenn Du nun un⸗ widerruflich ſein Weib wärſt? Nun aber biſt Du frei,


