Teil eines Werkes 
8.-10. Bdchn. (1845)
Entstehung
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betrogen! Wir Unſelige täuſchen uns ſelbſt! Wohl hat er uns die Barmherzigkeit Gottes zugeſagt, aber unter der Bedingung, daß wir uns zu Gott wenden und unſern ab⸗ ſcheulichen Laſtern entſagen. Haben wir dieſes gethan? Nun, meine Söhne, erhebt Euch, kehrt in Eure Häuſer zurück, geht hin und Gott ſegne Euch tauſendmal! Viel⸗ leicht ſehen wir uns heute zum letztenmal. Wenn ich Euch je Aergerniß gegeben, wenn ich Euch in irgend etwas be⸗ leidigt habe, ſo vergebt mir und erinnert Euch immer an Niccolo, der Euch wie ſeine Söhne bis zum Tode ge⸗ liebt habt. Wenn je beſſere Tage für Florenz anbrechen, ſo bedenkt, daß das Vaterland ſich immer wieder erheben kann und daß man für daſſelbe ſtets gerüſtet ſein muß. EFrinnert Euch an Gott, denn er iſt der Anfang und das Ende und bittet ihn für meine Seele, bittet ihn, daß er mich werth mache, dieſes Leben, in welchem er mir ſeine heilige Gnade ſchenkte, zu verlaſſen und den Tod mit Stand⸗ haftigkeit zu empfangen, den es ihm gefallen wird über mich zu verhängen... ſollte ich ihn auch und ſo werde ich enden müſſen unter dem Beile der Palleschi finden.

Bei dieſen Worten waren auf einmal, gleichwie wenn eine Miene geſprungen wäre, alle dieſe Männer vom Volk, die bisher demüthig und ſtill auf den Knieen gelegen hat⸗ ten, grimmig und drohend emporgeſprungen. Sie hoben ihre Dolche empor, knirſchten mit den Zähnen und ſchwu⸗ ren Alle, in Niecolo's Vertheidigung zu ſterben, Bozza aber überſchrie alle Andern und rief:

Nein, wir ſind noch da! Che man Euch ein Haar trümmt, müſſen ſie zuvor uns Alle und halb Florenz in Stücke hauen.

Niccolo gebot mit der Hand Ruhe und beſchwichtigte dieſen neuen Aufruhr; dann ſagte er:

Ich danke Euch, meine Kinder, ich danke Euch, und Gott weiß wie herzlich; wenn ich aber nicht wünſche, daß Ihr Euer Leben noch ferner für das Wohl der Stadt wa⸗

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