Einunddreißigſtes Kapitel.
„Verzeihung,“ ſagte Niccolo mit wehmüthiger Freund⸗ lichkeit,„was hätte ich Euch für eine Schuld zu verzeihen, meine lieben Kinder? O nein, Euch trifft kein Vorwurf, ſondern Eure Lenker, die Euch hätten vertheidigen ſollen und Euch verlaſſen haben. Ihr habt auf meine Worte nichts erwidert! Was hättet Ihr denn darauf erwidern ſollen? O ich ſehe es, auch ich erkenne es, für uns gibt es keine Rettung mehr; wir ſind von Gott verdammt! Wenn ich ſo zu Euch geſprochen habe, ſo geſchah es, weil man die Hoffnungen und Anſtrengungen eines ganzen Le⸗ bens nicht ſo verſchwinden, weil man das Vaterland nicht unterdrückt, nicht in die Hände der Feinde und Verräther fallen ſehen und dabei ſtumm bleiben und das Ange trocken behalten kann. Aber ich weiß, ich weiß, meine Kinder, was könnt Ihr jetzt thun, es zu verhindern? Wer kann ſich dem Rathſchluſſe Gottes entziehen oder widerſetzen? Und dieſer Rathſchluß iſt jetzt nur zu deutlich und offen⸗ bar. Er ſandte uns ſeinen Propheten, wie er ihn denen von Ninive ſandte; dieſe bekehrten ſich und wurden geret⸗ tet, aber wir haben uns in der Sünde verhärtet, wir ha⸗ ben den Propheten getödtet dürfen wir nun über die gerechte Strafe murren? Justus est Pomine et rec- tum juditium tuum. Und nun ſagen ſie, er habe uns
Niceolo de' Lapi. MI. 1


