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fen, was ſollen wir ihnen ſagen? Was ſollen wir für eine Rechtfertigung ausdenken um ſie zu beruhigen, um ſie darüber zu tröſten, daß ſie nicht mehr freie Menſchen find, ſondern eine Viehheerde, die ein Rub der Mevici geworren? Wenn dieſe Tyrannen im Blute und in den Gütern Euerer Söhne wühlen, werden ſie Euch dann nicht verfluchen, Euch Feiglinge nennen? Iſt das Leben ſo viel werth⸗ daß man es um einen ſolchen Preis retten muß? Denkt nicht, daß ich ſo ſpreche, weil ich Greis bin und weil mein Einſatz in dieſes Spiel nur in wenigen Tagen beſteht, ja vielleicht nur in wenigen Stunden. Habe ich nicht Söhne? Sind ſie, die mich umſtehen, nicht auch mein Blut? Bin ich ſparſam mit dieſen?(Er legte die Hand auf das Haupt Bindo's, der neben ihm ſtand.) Habe ich mit dem Blute dieſes Knaben gegeizt, der vielleicht viele und glückliche Jahre u erwarten hat? Wer kann ſagen, daß, als ich ihn dem Vaterland ſchenkte, ich demſelben ein geringeres Geſchenk gemackt habe, als mein eigenes Leben? O meine Mitbü ger, erbarmt Euch dieſes unglücklichen Vaterlandes, denn vielleicht iſt es noch Zeit! O Jeſus Chriſtus, unſer König, habe Mit⸗ leid mit Florenz, es iſt ja doch dein Reich! Parce do- mine! Vergib unſere Sünden, vergib ſie auch dieſ s⸗ mal! Deine Rache verſchone mein Paterland! Ich biete dir für die Sünden Aller dieß unglückliche Haupt, ich biete dir dieſe meine Söhne! Mein Haus möne fallen, mein Blut möge vergoſſen werden, mein Name von dem Erdenrund verſchwinden, aber Florenz, o Florenz ſei gerettet, ſei frei, ſei glücklich!“
Er weinte vor Aller Augen mit erhobenem Ge⸗ ſichte, ſo daß man wohl ſah, vaß er ſich dieſer Thränen nicht ſchämte; er ſchloß ſeine Rede, die mehr der un⸗ hemmbare Strom ſeiner unbezwinglichen Leidenſchaft war, als ein Spiel der Redekunſt⸗ durch das er viel auszurichten gehofft hätte. Die geſenkten Häupter, die düſteren Mienen der Umſtehenden, das allgemeine


