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Laſt von ſich abgeworfen, als es am meiſten galt, ſie ehrenvoll zu tragen!“ Mit immer heißer erglühender Begeiſterung, mit
immer mächtiger erſchallender Stimme fuhr er fort:
„Nein, das ſind nicht die Beiſpiele, die uns unſere Vorfahren hinterließen, ſie: welche Päbſten, Königen und Kaiſern die Spitze boten und die Freiheit von Florenz gegen Alle vertheidigten! O Florenz, am Fuße deiner Mauern ſank der Stolz des Kaiſers Heinrich von Luxemburg und der ganzen Macht des heiligen römiſchen Reichs!. Kaiſer Maximilian, wir ſahen es in unſern Tagen mit eigenen Augen, mußte fliehen, bevor er noch unſere Thürme erblickt hatte. Karl von Frankreich, der ſich mit der Blüthe ſeiner Ritter in unſern Thoren befand, blickteſt du ſtolz ins Geſicht, als er vich zur Sclavin machen wollte, er mußte Gott danken, daß er ſich und ſein Heer retten konnte, du aber bliebſt geehrt und in Deiner Verfaſſung. Aber, o großer Gott! iſt vielleicht die gegenwärtige Gefahr ſchwerer, als die damalige? Sind wir ganz andere als die Männer der damaligen Zeit? Iſt die Freiheit, Ehre, Religion, kein Gut mehr für uns? Sklaverei und Schande kein Unglück? Iſt es möglich, o ewiger Gott! daß wir in dem Schlamm der Feilheit ſo tief verſunken ſind? Iſt es möglich, daß unſere Sünden ſo ſchweres Gewicht haben, daß du uns ſo ſehr verlaſſen haſt, daß dein Fluch ſo ſchwer auf dieſem Volke laſtet? O Bürger, o Söhne! So ſollen wir alſo das furcht⸗ bare Wort ſprechen müſſen, es ſprechen, wir Floren⸗ tiner, und nicht lieber tauſendmal ſterben: Florenz iſt dahin! Florenz iſt Sclavin! Und wir ſind am Leben geblieben? Wir kehren zu unſern Häuſern, zu unſern Frauen und Kindern heim, denen wir dieſen Staat ſo hätten erhalten ſollen, wie ihn uns unſere Vor⸗ fahren erhalten haben Und was ſollen wir ihnen ſa⸗ gen? Wenn wir ihnen ſagen, wenn wir uns die un⸗ blutigen Schwerter abgürten und ſie bei Seite wer⸗


