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in ſeine Augen zuſammen gevrängt, in welchen ein ſtürmiſches Feuer brannte, das einen unbändigen und verzweifelter Entſchlüſſe fähigen Charakter verkündigte.
Dieſer Greis führte einen zwölfiährigen Knaben an ſeiner Hand, der, obgleich mager und blaß, mehr verwundert als erſchreckt darüber ſchien, ſich an einem ſolchen Orte und mitten in riner ſo ernſten Verſamm⸗ lung zu befinden.
Riccolo kannte dieſen Mann, denn er war immer einer der eifrigſten Anhänger der Lehren des Bruders Girolamo geweſen; er hatte bei der Vertheidigung des Kloſters im Jahre 1408 mitgekämpft und war nachher zu jeder Zeit, unter allen Regierungswechſeln derſelben Meinung unerſchütterlich treu geblieben; auch hatte er dazu mitgewirkt, daß dieſelbe unter dem Volke erhalten wurde, ſo weit ſeine Armuth und ſein geringer Ein⸗ fluß ihn dazu befähigte.
„O Meiſter Simon,“ ſagte Niccolo zu ihm, wäh⸗ rend jener mit dem Knaben vortrat,„was macht Ihr hier mit Eurem Bertino 2“
„Sein Vater Piero iſt mein durch den Segen des Himmels mir geſchenkter Sohn,“ entgegnete der Greis, „und iſt im Kampfe für die Freiheit gefallen Ich und dieſer Knabe ſind allein im Hauſe geblieben.
Allein in der Welt Wir haben, wie Ihr
wißt, Niemand mehr und da ich nun keinen Grund mehr habe, mich um mein Leiben zu bekümmern, ſo habe ich dieſen armen Waiſen mit hieher gebracht, daß er mit den letzten Verthekvigern von Florenz lebe und ſterbe.“
Niccolo erhob Augen und Hände zum Himmel, ſchlug die Hände zuſammen und ſprach:.
„O warum haben nicht alle Bürger ſo viel Muth, als dieſer arme Handwerker! O warum haben die Großen der Erde, die doch verpflichtet waren, dem Gemeinweſen das Beiſpiel zu geben, gerade dann die


