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bungen zurückgekehrt, das Gebet wird erſt nach dem Eſſen geſprochen, gegen die Befehle des Bruders Gi⸗ rolamo; die Bibel, die wir zu ſeiner Zeit immer un⸗ term Arm hatten, iſt bei Seite gelegt und zerriſſen; kurz, meine lieben Brüder, man denkt nur wenig an's Innere. Wie ſollte ſich alſo der Teufel Mühe um uns geben, wenn wir ohnehin die Wege wandeln, die
er will.“
Und hier folgte noch ein Seufzer, der für vier gelten konnte.
Indeſſen wendeten ſich alle Blicke nach der Seite hin, wo ſich Riccolo befand, weil das Flüſtern in je⸗ ner Gegend etwas lauter geworden war. Es waren nämlich Niccolos Söhne, Troilo und Fanfulla einge⸗ troffen, und um fie verſammelten ſich die in der Kirche zerftreuten Mönche. Ihre Nachrichten waren nicht im Geringſten beſſer als diejenigen, welche Lamberto ge⸗ bracht hatte, und es ſtellte ſich immer mehr heraus, daß man ſich entſchließen werden müſſe, dem Schickſal zu weichen. Averardo redete zuerſt in ſeiner gewohn⸗ ten, abgebrochenen, grimmigen Weiſe und nachdem dieſer erzäylt hatte, was er ausgerichtet, was unge⸗ fähr auf das nämliche hinauslief, wie bei Lamberto, nachdem er ſich in Schmähungen auf die Burger er⸗
goſſen hatte, die ſich in keine weitere Gefahr ſtürzen
wollten, warf er ſeinen Kopf wild empor, als eben ein ſtarker Donnerſchlag folgte.
„Möchteſt Du vieſe verflachten Schurken in Aſche verwanveln, welche lieber ein Sklavenleben führen, als frei ſterben wollen!“
Eine ſolche Verwünſchung⸗ die in dieſem Augen⸗ blick einem Manne entfuhr, deſſen ſchrecklicher Anblick allein ſchon in Furcht ſetzen konnte, firäubte auch den kuhnſten Umſtehenden die Haare.
Der ſeufzende Mönch nahm ſeinen Kopf zwiſchen die Hände und murmelte vor fich hin: Sanctus Deus, zanctus fortis, sanctus immortalis! Niccolo erhob
Riscolo de' Lapi. U⸗ 16


