Teil eines Werkes 
5.-7. Bdchn. (1845)
Entstehung
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gegründet haben! O, Gott kennt ſolche Kirchenſtifter nicht, bei denen die guten Werke nur dazu dienen, das Volk zu betrügen. Einige gab es auch, die von jeher in ihrem Innern nicht viel an Bruder Gi⸗ rolamo geglaubt hatten, obgleich ſie es nicht laut wer⸗ den ließen, um nicht deßhalb verfolgt zu werden. Dieſe blickten ſich mit verſtohlenem Lächeln an und wieder⸗ holten unter einander mit höhniſcher, halblauter Stimme die berühmten Worte des Mönches:Biſt Du nun aufgeklärt!*)

Unterdeſſen wuchs die Wuth des Sturmes, wäh⸗ rend dieſe Verſammlung von weißen Geſtalten, die in dem Halbdunkel der alten Hallen von San Marco umherirrten, mehr und mehr einer Scene aus der an⸗ dern Welt glich. Nur die vier ſchwachen Leuchten am Hauptaltar ſchimmerten, wie Sterne durch den um⸗ wölkten Himmel flimmern, auf kurze Zeit verſtärkt durch den raſchen Stral der Blitze. Das Geräuſch des Regens, die häufigen Donnerſchläge, von welchen die Mauern in ihren Grundveſten erbebten, die Wuth des Windes, wenn er mit ſeinem Pfeifen durch enge Gänge zog, das beinahe wie eine menſchliche Stimme klang: alles dieſes glich einem Geheul, einer Klage, ja man hätte geglaubt das ferne Gebrüll reißender Thiere zu vernehmen. Einige Mönche, welche furcht⸗ ſamer und abergläubiſcher als die übrigen waren, hiel⸗ ten dieſen Aufruhr der Natur für ein Werk böſer Gei⸗ ſter und es kam ihnen beinahe vor, als kämen dieſe

*) Als Kaiſer Maximilian 1496 mit den Truppen des Herzogs von Mailand und der Flotte der Venetianer nach Livorno kam, um die Staatsverfaſſung von Florenz zu än⸗ dern, hielten ſich die Florentiner für verloren und die Feinde Savonarolas riefen einander zu:Biſt du nun darüber auf⸗ geklärt, daß uns dieſer Mbnch betrogen hat. Als aber die Unternehmung des Kaiſers nach Savonarolas Vorherſagung mißglückte, hielt dieſer eine Predigt, in welcher er die Worte ſeiner Gegner zu ſeinem Vortheil anwendete. Daher nannte man dieſe Predigt:Biſt du nun aufgeklärt?