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verlaſſen und ihren Propbeten verleugnen. O, armes Volkl armes Florenz!“ Er kreuzte die Arme über die Bruſt, ſann in dieſer Stellung eine Weile nach und fuhr dann fort:
„Laßt uns auf die Andern warten!“
Die Mönche hatten ſich um Lamberto gedrängt, um zu hören, was er mitbrächte. Nunmehr löſten ſie dieſen Kreis auf und ihre Mienen und halblaut ge⸗ ſprochenen Worte zeigten mehr Muthloſigkeit als Ver⸗ wunderung; einige bildeten Gruppen von vier oder fünf, andere ſetzten ſich auf Bänke, wieder andere gingen im Hintergrund der Kirche auf und ab und unterhielten ſich je nach ihren verſchiedenen Leiden⸗ ſchaften und Gemüthsanlagen; die einen ſahen in der Einnahme der Stadt bloß den Untergang der Volks⸗ herrſchaft, ſprachen von Freiheit und bejammerten de⸗ ren Verluſt, die Andern ſahen ein, daß das Kloſter den Einfluß verlieren werde, den es zur Zeit der Re⸗ publik behauptet hatte, ärgerten ſich darüber und ſag⸗ ten:„Da gewinnen es die Minoriten“*) zum zweiten⸗ mal.“ Der Bruder Glöckner fügte faſt weinend hin⸗ zu:„Unſere arme Glocke wird wieder ins Franzis⸗ kanerkloſter wandern müſſen!“ Vielen Andern lag mehr die Religion am Herzen; fie beklagten, daß die fromme Lebensweiſe, welche durch die Ermahnungen und Bei⸗ ſpiele des Savonarola aufrecht erhalten worden war, untergehen werde und jammerten:„Jetzt kommen die Medici wieder; wer wird dieſes Volk nun im Zaum halten können? Da geht es von vorn an und ſchlim⸗ mer als vorher mit Spielen, Wirthshäuſern, Unzucht, und nun bedenke man, daß die Medici dieſes Kloſter
*) Die Minoriten und das Kloſter San Marco beſtand ſeit den Zeiten des Bruders Girolamo eine eiferſüchtige Zwietracht und die Erſteren trugen viel zum Untergang des Letzteren bei; auch bewirkten ſie bei dieſer Gelegenheit, daß letztem die Glocke genommen und nach San Francesco ge⸗ pracht wurde. Nachher wurde ſie zurückgegeben.


