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und alle Winkel des Gebäudes und ſchlug mit raſchem Zuge Thüren und Fenſter auf und zu, als wenn er dor dem herannahenden Ungewitter warnen wollte. Der Donner rollte lauter un? näher, als ziehe er durch die höheren Gegenden der Luft, fern beginnend, dann über dem Haupie mit dem Geräuſche entladener Ge⸗ ſchütze losbrechend, endlich ſich wieder entfernend und noch lange in den entlegenen Schluchten der Berge fortmurrend. Die erſten Regentropfen fingen an ſchräg auf die Scheiben zu fallen, nach und nach fielen ſie immer häufiger und dichter, bis ſich mit dieſem Ge⸗ räuſche das feine und trocknere Raſſeln des Hagels vermiſchte, der auf den Dächern abprallte und von da auf Mauern und Fenſter ſtürzte. Mit jedem Donner⸗ ſchlag wuchs das Toben und Gebrüll des Windes; mn hörte die Bäume des Kloſtergartens entwurzelt allen.
Kaum bemerkte Niccolo dieſes Getöſe, denn er war ganz allein mit dem Vorhaben beſchäftigt, um deſſen glücklichen Ausgang er Gott anflehte. Die Veränderung, welche in der Beſchaffenheit der Atmo⸗ ſphäre eingetreten war, die Abkühlung derſelben durch das Gewitter, friſchte ſeine Lebensgeiſter wieder auf und verlieh ihm ſo zu ſagen ein neues Leben, welches ſeine Hoffnungen höher ſieigerte als je.
Indeſſen hatte ſich die Kirche mit Mönchen ange⸗ iit 6 Bruder Zaccaria näherte ſich Niccolo und ſagte zu ihm:
„Dieſes Unwetter iſt zu unſerem Vortheil; die Unſerigen werden ihre Häuſer verlaſſen und hieher tommen können, ohne beobachtet zu werden.“
Eben erſchien Lamberto ganz durchnäßt an der Thüre der Sacriſtei; er trieſte, wie wenn er durch ei⸗ nen Fluß geſchwommen wäre. Niccolo blickte ihm feſt in die Augen, während er ſich ihm näherte, um in denſelben den Erfolg ſeiner Bemühungen zu leſen; aber ſeine Mienen ſchienen nichts Gutes zu verkünden.


