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bigen nicht verlaſſen, wird ſie nicht in die Hand ihrer Feinde geben, und nach dem Kummer, nach der Prü⸗ fung, wird Freude und Sieg folgen.
Nach dieſen Worten, mit welchen die Gedanken und Wünſche des kühnen Mönches völlig übereinſtimm⸗ ten, da dieſer eben ſo begeiſtert als Niccolo war und in der Blüthe ſeiner Jahre ſtehend, ihn an Stärke noch übertraf entwickelte der Greis ſeinen Plan und ſagte ihm, daß er ſeine Söhne ausgeſendet habe, um die ge⸗ ſunkenen Hoffnungen der Piagnoni wieder zu beleben; ſie ſollen ſich vereinigen und dieſe Nacht im Kloſter eingelaſſen werden, um zu berathen, welcher Entſchluß jetzt in dieſer Gefahr als der beſte erſcheine; Niccolo unterſtützte ſeine Anſicht mit vielen Gründen und es gelang ihm ohne Mühe, denſelben Geiſt, daſſelbe Selbſt⸗ vertrauen und dieſelbe Standhaftigkeit dem Mönche einzuflößen, die ihn belebte. Dann beſchloßen ſie, ſogleich zu dem Superior, Bruder Benedetto zu gehen, und ihn von dem zu benachrichtigen, was angeordnet werden ſollte.
Sie trafen den guten Alten ſchon zu Bette, und es iſt nicht erſt nöthig zu ſagen, daß er erſchrak, als er Niccolos waghalſigen Plan vernahm; denn man kann es ſich wohl denken, wenn man ſich ſeinen furcht⸗ ſamen und milden Charakter, der aller moraliſchen Stärke entbehrte, kennt. Er war gewöhnt, ſich Andern als Spielzeug zu überlaſſen und befolgte bei dieſer ſo gefährlichen und ſchwierigen Lage um ſo mehr das gleiche Syſtem, als er ſelbſt fühlte, daß er weit weni⸗ und Muth, als die andern Beide,
efitze. Seine Worte waren voll Seufzer, Klagen und Befürchtungen; er ſchloß damit, alles der Einſicht Ric⸗ colos anheim zu ſtellen und Gott zu bitten, daß er die Stadt und das Kloſter gegen Plünderung und das Verderben, welches bevorſtand, bewahren möge.
Hierauf verließ Riccolo den Bruder Benedetto


