230
frau zu verwenden. Als er ſeine Augen wieder erhob, fah er an der oberſten Spitze des Bogens, auf wel⸗ chem das Gewölbe der Decke des Schlafzimmers ruhte, das verhaßte Wappen der Medici, welches Cofimo der Aeltere, der Gründer dieſes Kloſters, dort hatte anbrin⸗ gen laſſen.
Dieſes Zeichen betrachtete er beinahe als eine un⸗ heilverkündende Viſion, als das verhängnißvolle Vor⸗ zeichen eines Mißgeſchickes, das ihn verfolgte. Er wen⸗ dete ſeinen Blick empört hinweg und entfernte ſich nach der erſten Seite, wo er nur wenige Thüren vorüber⸗ ging und auf die Zelle des Bruders Zaccaria di Fi⸗
vizzano öffnete.
Die beiden Freunde umarmten ſich, ohne ein Wort zu ſagen, und der Mönch bemerkte wohl, daß Niccolo's Ankunft, zu dieſer ſpäten Stunde, einen wichtigen Grund haben müſſe.
„Iſt es moglich,“ ſagte er zu ihm, während er noch von ſeiner Umarmung die Hände auf ſeine Schultern gelegt hatte und ihn feſt anblickte:„Iſt es möglich, daß uns noch eine Hoffnung übrig bleibt?“
„Auf Menſchen nur wenige, Bruder Zaccaria, aber noch ſehr viele auf Gott; ich bin dieſe Nacht hie⸗ hergekommen, weil ich nicht glauben kann, daß er uns ganz verlaſſen, daß er in ſeinem Zorne unſern gänz⸗ lichen Untergang beſchloſſen hat. weil ich mich nicht überzeugen kann, daß unſer heiliger Märtyrer dieſes arme Volk ſo ganz verlaſſen hat und ihm nicht helfen ſollte, daß er es nicht vom Himmel herab gegen die Tyrannen vertheidigt, wie er es, ſo lang er lebte, auf Erden unter uns that. O ja, ich glaube es ganz gewiß, dieß iſt nur eine Prüfung, eine furchtbare Prüfung, die Gott zuläßt, unſern Glauben zu erpro⸗ ben.. Gehen wir als Sieger daraus hervor„ Laſſen wir ihn nicht erſchüttern, laſſen wir uns nicht ſchrecken, ärgern wir uns nicht beim Anblick unſeres Elends, und ſo wahr Gott lebt, er wird ſeine Gläu⸗


