den Vergleich, und einige Bürger, welche das Vater⸗ land und die Freiheit höher achteten, als das Leben, eilten zu dem Löwenbilde an der Seite des Pelagio, umarmten ſich auf dem rauhen Stein, der ihm zur Grundlage diente, benetzten ihn mit Thränen, bedeckten ihn mit Küſſen und ſchwuren, die ehrwürdige Repu⸗ blik bis auf den letzten Mann zu vertheidigen und viel lieber zu ſterben, als ſie zu verlaſſen.
Natürlich war Niccolo nirgends anders, als an der Spitze dieſer Begeiſterten; ſogar in dieſer äußer⸗ ſten Noth konnte er auch nicht einmal die Möglichkeit glauben, daß Florenz fallen könne. Konnte er den Bruder Girolamo für einen Betrüger halten und ſeine Weisſagungen für Lügen erklären?
Zu den Füßen des Löwen von allen Angehörigen ſeiner Familie und vielen Bürgern umgeben, flößte er allmälig mit ernſten und begeiſterten Worten allen Herzen denſelben Glauben und dieſelbe Zuverſicht ein, welche das ſeinige unerſchütterlich erfüllten, und als ſich die Sonne zum Untergang neigte und die Sterne zu leuchten begannen, war er trotz der dringenden Bitten der Seinigen nicht zu bewegen, dieſen Ort zu verlaſſen; denn dieſe wollten es nicht dulden, daß er ſich ſo großen Unbequemlichkeiten ausſetze und fürch⸗ teten, es möchten neue Unfälle in der nächſten Nacht durch einen Aufſtand der Palleschi herbeigeführt wer⸗ den. Er weigerte ſich beſtimmt, nach Hauſe zu gehen, und von ſeinem Beiſpiel hingeriſſen, brachten noch viele andere Bürger die Stunden des Schlummers ebenfalls auf dem Marktplatze zu. Es läßt ſich leicht denken, wie ſie für die meiſten vergingen; voll Kum⸗ mer und Sorge, voll Furcht vor dem hereinbrechenden Elend, mit welchem der Morgen drohte. Erſt um Mitternacht folgte ein tiefes Schweigen auf den Lärm dieſes geräuſchvollen Tages; auf dem Marktplatze ver⸗ nahm man Nichts mehr, als die Schritte der Schild⸗ wachen oder das klägliche Geſchrei der Eulen, welche


