Teil eines Werkes 
5.-7. Bdchn. (1845)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

208

und der Spanier und im feindlichen Lager, Jeden er⸗ griff der Gedanke, ſchnell zu ihrer Vertheidigung zu eilen, und in wenigen Augenblicken zerſtäubten die erſt ſo eng gewordenen Reihen.

Da und dorthin eilten die Bürger über die Stra⸗ ßen und öffentlichen Plätze und durch die kleinen Gäß⸗ chen; jeder glaubte tauſend Jahre zu brauchen, bis er an ſeine Hausthüre kam und fürchtete, die kaiſerlichen Soldaten ſchon eingedrungen zu finden. Mit geſenkten Häuptern, athemlos und weinend, jeder nach ſeinem Charakter zu Gott betend sder ihn in fürchterlichen Läſterungen verwünſchend, der Eine den Pabſt verflu⸗ chend, der Andere den Bruder Girolamo, den ſie einen Gaukler nannten, der ſie betrogen habe. Nach und nach verbreitete ſich das Entſetzen in den Häuſern und in den Familien, überall erhob ſich Weinen und Wehe⸗ klagen der Weiber und Kinder, und die, die allein zu Hauſe waren, und ihre Männer nicht wieder erſchei⸗ nen ſahen, ſtellten ſich gleich das Schlimmſte vor und hielten ſie ſchon für todt, hörten ſie dann das Geſchrei und Weinen aus den benachbarten Häuſern, ſo ſtürz⸗ ten ſie ganz unſinnig und wüthend mit den kleinen Kindern auf den Armen heraus, zogen die größeren hinter ſich her, die ſich furchtſam an ihren Kleidern hiel⸗ ten, irrten durch die Straßen und ſuchten den Zu⸗ fluchtsort einer Kirche zu erreichen. Dann legten ſie ihre Kinder zu den Füßen der Altäre nieder und fleh⸗ ten mit gerungenen Händen, jeden Augenblick wäh⸗ nend, die Hände der Soldaten in ihren Haaren zu fühlen, Gott um Barmherzigkeit an..

Aber nicht alle Familien, die es gerne gemocht hätten, gelang es, ſich ganz an heilige Stätten zu ret⸗ ten; bei vielen gab es, wie häufig vorkommt, Kranke oder Verwundete, die nicht vom Bette aufſtehen konn⸗ ten, oder Greiſe, vetheh die Laſt der Jahre ſo geſchwächt waren, daß ſie ſich nicht bewegen und ſich nicht helfen konnten. Hier entſtand ein neuer und