zur Reife gediehen und der Eigennutz überwog jede andere Rückſicht bei Männern, die ſich für das gemeine Wohl erſt noch ſo eifrig und willig geſtellt hatten; aber ſie waren reich, ſie hatten etwas zu verlieren, und hatte ſich nicht geirrt, wenn er ihnen nicht raute.
Als Troilo und Nobili Malateſta verlaſſen hatten, gingen ſie vom Einen zum Andern dieſer Partei und je nach Umſtänden gelang es ihnen bald durch zwei⸗ deutige Reden, bald durch offene Verſprechungen, ſie wirklich von der Sache des Volks abzuziehen und zu den Maßregeln zu bewegen, die ſie nachher wirklich ergriffen und ſo den völligen Untergang des Staates herbeiführten.
Endlich entſchwand dieſe Nacht; die erſehnte und gefürchtete, aber von ſo Vielen mit muthiger Faſſung erwartete Morgenröthe umzog bereits mit ihrem reinen Purpur die Anhöhen um Vallombroſa. Als ihre Stralen in die Häuſer zu dringen begannen und dort die düſtere Glut der Lichter überwanden, beleuchteten ſie in jeder Familie eine traurige Abſchiedsſcene, Um⸗ armungen und Thränen, raſche, glühende Worte der Weiber, Segnungen der Greiſe und der Väter, und nach und nach wurde Lärm in der Stadt, dumpfes Brauſen von Stimmen, von Schritten, von ſich öffnen⸗ den und heftig zugeſchlagenen Thüren, und die Bürger traten bewaffnet aus den Häuſern, um ſich zu ihren Fahnen zu ſammeln. Sie tauſchten das letzte Lebe⸗ wohl, wechſelten die letzten Blicke mit ihren Angehö⸗ rigen, mit ihren Weibern und Kindern, die ſie in Thränen auf den Schwellen zurückließen.
Als die Sonne aufging, war der Marktplatz bereits nicht weniger als am Tage vorher von Volkshaufen gefüllt und die Rathoherren zur Berathung verſammelt. Da ſah man eine Schar von Männern zu Pferde von der Vacchareccia her eintreffen, an deren Spitze Cencio Guercio; ſie begaben ſich gerade auf das Pa⸗


