Achtundzwanzigſtes Kapitel.
Die Nacht, welche dieſem ſtürmiſchen Tag folgte, verging für die Florentiner unter Zurüſtungen und
ängſtlicher, argwöhniſcher Erwartung der wichtigen Vorfälle, welche man auf den kommenden Tag vorher⸗ ſah. Sogar in denjenigen Stunden, wo der Schlaf
ſonſt wegen der drückenden Hitze jede Sorge und jede
Erinnerung an die tägliche Arbeit zu beſiegen pflegt, blieb ganz Florenz wach. Wenn man durch die Stra⸗ ßen ſchlenderte, begegnete man Niemand, aber die Helle, welche da und dort durch die Fenſter ſchimmerte, der Lärm und die Stimmen, die man im Innern der Häuſer vernahm, verrieth deutlich, daß dieſes unglück⸗ uͤche Volk die Annäherung der letzten Scene jenes langen⸗ und blutigen Trauerſpiels im Voraus ahnte und daß die Leidenſchaften, der Parteihaß um ſo hef⸗ tiger glühten, je näher man daran war, daß die Hoff⸗
nungen und Wünſche jedes Einzelnen unwiderruflich
entweder gekrönt oder getäuſcht werden ſollten. Der ärmere, folglich der größere Theil der Bür⸗
ger, welcher bei ſolchen Gelegenheiten immer den beſten
und redlichſten Willen zu zeigen pflegt und ohne Nebenzwecke und Ränke zu Werke geht, oft aber gerade deßwegen für die Heuchleriſchen und Schlauen bezahlen muß, rüſtete ſich in dieſen nächtlichen Stunden auf
den offenen Kampf für den morgenden Tag und hoffte auf den Sieg, bereit, denſelben mit vielen Opfern zu
erkaufen.
Es wäre ein ſchönes und erhabenes Schauſpiel geweſen, wenn einer in das Geheimniß aller dieſer niedern Hütten hätte eindringen können und die Zuberei⸗
tungen zu dieſem großen Opfer zu ſehen⸗ Ruhig rüſteten


