—
n , 1 h⸗ d r⸗
57
vorbringt, und war zu ſehr mit dem, was ſie ſagte, beſchäftigt und zu aufgeregt, um den Eindruck zu be⸗ merken, den ihre Worte auf das Gemüth der Schwe⸗ ſter hervorbrachten. 8
Liſa hörte ihr mit einem Lächeln zu, dem ſie den Ausdruck der Theilnahme und des Wohlgefallens zu geben ſuchte; aberder Leſer weiß, was ſie für einen wunderlichen Kopf hatte. Sie war nicht nur über⸗ raſcht, ſondern ſo zu ſagen verletzt, daß die Liebe Lam⸗ berto's ſchneller erloſchen war, als ſie vermuthet hatte und zu verdienen glaubte. Dieſer Gedanke that ihrer Eigenliebe um ſo weher, als ſie ſich die Niedrigkeit des Grundes ihrer Kränkung nicht verhehlen konnte; denn Richts iſt verdrießlicher für den Stolzen, als ſich in ſeiner eigenen Meinung erniedrigt und lächerlich gemacht zu ſehen, und vieſer Verdruß war in ſeiner ganzen Bitterkeit und Glut auf Liſas Geſicht zu le⸗ ſen. Es dauerte nur einen Augenblick, und Laudomia bemerkte zum Glücke nicht, daß die Schweſter mehr um ſich ſelbſt, als um ſie zu betrügen(ſo wollen wir wenigſtens zu ihrer Ehre hoffen) ſie mit einer Flut von zärtlichen Worten und Liebkoſungen überſchüttete und ſich alle Mühe gab, ſich ſelbſt zu überzeugen, daß ſie für das Glück der Reuverlobten ausnehmend beſorgt ſei und ſich über ihre Vereinigung ungemein freue. Endlich gelang es ihr auch wirklich, den Schein und vielleicht ſogar die wahre Empfindung deſſen, was fie darthun wollte, zu gewinnen.
Zwei Schweſtern und Mädchen überhaupt fehlt es bei ſolchen Gelegenheiten nie an Worten; und hier wurden ſehr viele gewechſelt, voll von Plänen, Vorſätzen, Beſtimmungen für die Zukunft, die wir nicht wieder⸗ holen wollen, um nicht uns und den Leſer zu lang⸗ weilen. Endlich trennten ſie ſich unter freudigen Umar⸗ mungen, und kaum war Laudomig hinausgegangen,


