Trugbilde von Glück zu täuſchen, welches ſich immer weiter entfernt, ie mehr wir ihm nachjagen, ſondern vaß wir unſere Seele an die Vorſtellung des Duldens gewöhnen, und da es unſerer Natur zuwider und un⸗ möglich iſt, uns ohne die Hoffnung auf eine Vergeltung dem Leiden zu unterwerfen, ſo kann derjenige, der hier unten Ruhe ſinden und dem Gewichte der Leiden, die uns unterdrücken, nicht erliegen will, keine andere Hülfe finden, als die Hoffnung auf die Vergeltung im Zenſeits. Wenn dieſe Hoffnung die Handlungen der Menſchen beſtimmen würde, ſo wäre die Welt nicht in den Händen der Gewaltthätigen, der Ehrgeizigen, der Ungerechten, und die unterdrückte Freiheit würde bald wieder erſtehen.“
„Aber,“ ſagte der Alte lächend,„ich wollte ja von Dir und von Deinen Angelegenheiten ſprechen, und ſtatt deſſen habe ich Dich von Politik unterhalten; ſo geht es mir! Mein Leben naht ſeinem Ende und der Gedanke an das Vaterland beſchäftigt mich ſo einzig und allein, daß ich zuweilen gegen meinen Willen von nichts Anderem ſprechen kann. Trotz dem habe ich Dir Manches geſagt, was auf Deine Lage paßt, und habe bemerkt, daß Du mich recht gut verſtanden haſt. Sei gutes Muthes, Gottes Güte wird den ſchwerſten Kelch an Dir vorübergehen laſſen!“
Wie wir ſchon erwähnt haben, war während die⸗ ſes Geſpräches Niemand als Niccolo und ſeine Töch⸗ ter im Hauſe; Liſa befand ſich in ihrem Zimmer mit dem Kinde beſchäftigt, als Laudomia bei ihr erſchien. Ihre bewegte Miene, ihre feuchten Augen zeigten, daß ttwas Beſonderes vorgefallen ſein müſſe; Liſa forſchte dringend darnach, und erfuhr von der Schweſter deren Gedanken und Hoffnungen, ſo wie das ganze Geſpräch, das ſie kurz zuvor mit dem Vater gehabt hatte. Lau⸗ domia ſprach mit dem warmen Gefühl, das die Noth⸗ wendigkeit, ſich einer geliebten Seele zu eröffnen und dieſelbe an ber Freude Antheil nehmen zu laſſen, her⸗


