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Miene drückte ein ſo lebhaftes Gefühl aus, daß Nie⸗ colo ihm ſogleich antwortete:
„Du ſprichſt die Wahrheit! Der Verſprechungen bedarf es bei uns nicht! Ich leſe in Deinem Herzen,
und wenn Du eben ſo gut in dem meinigen würdeſt
leſen können, ſo würdeſt Du finden, welches fe⸗ ſtes Vertrauen ich auf Deine Worte ſetze. Nur des⸗ halb ſpreche ich ſo zu Dir, damit meine Worte um ſo lebhafter in Deinem Gedächtniſſe wurzeln ſollen. Höre alſo und präge es Dir tief ein, daß der Ruf dieſes Hauſes, in welchem es ſich ehrenvoll und ſicher erhält, an unſere heilige Religion und an die Freiheit unſeres Gemeinweſens geknüpft iſt, welche nicht ohne einander beſtehen können. Religion ohne Freiheit iſt keine Religion, ſondern Betrug und Heuchelei. Starb nicht auch Chriſtus, unſer König, gleicherweiſe für Alle? Wollte er nicht, daß wir einander als Brüder lieben? Verfluchte er nicht die Gewaltthätigen und die Stolzen und jene, welche ſich auf Koſten der
Schwachen erheben, ihr Gut und ihre Rechte an ſich
reißen und ſie zwingen, die Mühſeligkeiten des Lebens zum Vortheil ihrer Unterdrücker zu tragen? Und wer ſonſt, als die Feinde der Religion und der Freiheit, kann auf ſolche Weiſe handeln? Das Schlimmſte dabei iſt, daß ſie ihre Schlechtigkeiten mit dem Mantel des Glaubens bedecken. So haben es die Medici und alle Palleschi gemacht. In welcher Abſicht haben ſie Klöſter gebaut, Mönchsorden gegründet und Spitäler geſtiftet? Der Erfolg hat es gezeigt.
„Freiheit ohne Religion, wenn man je die Mög⸗ lichkeit einer ſolchen annehmen will, kann nicht dau⸗ ernd ſein und wird ſogleich von dem erſten beſten Bürger untergraben werden, der ſich durch Reichthum, Macht, Genie oder Schlauheit über die übrigen er⸗ hebt, und, durch Religion nicht in Schranken gehalten, die Ungerechtigteit und Gewaltthat nicht ſcheut, welche
Niccolo de' Lapi. U. 4


