Einundzwanzigſtes Kapitel.
Während dieſen Worten war Niecolo's Miene ernſt geworden; er verſank in Nachdenken und fuhr nach kurzer Pauſe fort:
„Weil wir nun einmal auf dieſen Gegenſtand ge⸗ kommen ſind, ſo wiſſe, daß meine Hoffnung für die Zeit, wenn ich nicht mehr am Leben ſein werde, be⸗ ſonders auf Dir ruht. Averardo beſitzt Muth und Va⸗ terlandsliebe, aber einen rauhen Charakter und eine Leidenſchaftlichkeit, welche ſeine Klugheit unterjocht; Vieri iſt ein guter Bürger und nicht minder tapfer, aber leichtfinnig; Bindo iſt noch ein Kind, und dann vieſer Troilo, der ſich zu uns geſchlagen hat,— ich will kein Mißtrauen gegen ihn hegen, aber er war ein Pallescho und ſeine Vorfahren, wie er bis auf den geſtrigen Tag; alle erwieſen ſich als heftige Feinde gegen uns und das Vaterland. Vielleicht habe ich Unrecht, den Argwohn ſo weit zu treiben, aber auf jeden Fall mußt Du mir verſprechen, daß Du, mein Lamberto, künftig für meine Kinder und mein Haus eben ſo eifrig ſorgen willſt, als ich für Dich als Kind geſorgt habe, und daß Du die Gaben, mit welchen Dich die Natur verſchwenderiſch ausgeſtattet hat, zu ihrem Beſten anwenden willſt. Nicht wahr, Du ver⸗ ſprichſt mir dieſes, Lamberto?“
„Lieber Vater, bedenke doch, iſt denn ſolches Ver⸗ ſprechen erſt nöthig? Verdanke ich nicht das Wenige, was ich bin, und alles Gute, was ich irgend an mir habe, blos Euch und den Eurigen? Könnt Ihr denn zweifeln?“
Die Augen gingen dem Jüngling über und ſeine


