Teil eines Werkes 
5.-7. Bdchn. (1845)
Entstehung
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Und jetzt erzählte Lamberto ausführlich Alles, was ihm von Anfang ſeiner Bekanntſchaft mit Selvaggia begegnet war, er öffnete Niccolo ſein ganzes Herz und bekannte ihm mit der unbefangenſten Offenheit alle Beſorgniſſe und Gefühle, die ihr Schickſal in ihm er⸗ regt hatte.

Niccolo wußte aus den Erfahrungen eines langen Lebens, das ihn mit Männern vom verſchiedenartigſten Charakter in Verbindung gebracht hatte, recht gut, wie ſelten diejenigen ſeien, die in Beziehung auf Frauen⸗ liebe gewiſſenhaft handeln. Um ſo höher ſchätzte er daher Laudomia's Glück, einem Manne zu gehören, der von Gott ganz nach ihrem Bilde geſchaffen zu ſein ſchien. Als der junge Mann ſeine Erzählung oder vielmehr ſeine Beichte geendet hatie, faßte er tein Haupt mit beiden Händen, küßte ihn mit väterlicher Zärtlichkeit auf die Stirne und ſagte

Geh nur; wenn ich Anſtand nehmen wollte, Dir Laudomia zu geben, ſo müßte ich nicht die Hälfte Deines Werthes kennen. Ich leſe in Deinem Herzen beſſer, als Du ſelbſt Du liebſt Laudomia, und wenn Du mit jener Unglücklichen kein Mitleid empfun⸗ den hätteſt, ſo wäreſt Du nicht Lamberto Wohlan, ſei antes Muthes, und wenn Du, wie ich nicht zweifle, Dir Laudomia's Liebe zu erwerben ver⸗ ſtehſt, ſo wird mir noch vor meinem Tode durch Dich das größte Glück zu Theil werden, das ich unter ſo vielen Leiden, die uns drohen, erwarten darf. Denn ſieh, ich habe nur eine kleine Spanne Zeit noch zu leben; aber dieſes macht mir keine Sorge, ſo ich nur gewiß ſein darf, daß Du meinem Hauſe zum Schutz und Rath zurückbleibſt; denn auf Niemand vertraue ich mehr, als auf Dich, Lamberto!