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drängt, aber durchaus nicht vertuſcht hatten, mächtiger wieder erſtanden war, fürchtete der großherzige Jüng⸗ ling Laudomia kein ſo ganz reines, von jedem andern Gefühl freies Herz bieten zu können, als ſie zu ver⸗ dienen ſchien.
Er erinnerte ſich an Selvaggia und an ihre be⸗ mitleidenswerthen Schickſale und noch immer fühlte er in ſeinem Innern jenes gerechte, jedes edlen Herzens würdige Mitgefühl, jenes Intereſſe, das ihm eine Un⸗ glückliche einflößte, die ſich einer ſo hoffnungsloſen Liebe zu ihm hingegeben hatte. Der gute Lamberto verwechſelte dieſes Gefühl mit einem andern und ſagte ſeufzend zu ſich ſelbſt:„Sollte ich ſo ehrlos ſein, Lau⸗ domia ein Herz anbieten zu wollen, in welchem noch eine Spur ſich findet von dem Bilde einer—?“ Er vermochte weder den Gedanken zu ertragen, noch den Satz zu enden.—
Am vergangenen Abend hatte er weder dieſe Angſt zu überwinden, noch das Wahre vom Eingebildeten zu unterſcheiden vermocht; denn der Verſtand beſitzt nie⸗ mals ſeine völlige Klarheit und Sicherheit, wenn die Stürme der Leidenſchaft walten. Aber die innige, gränzenloſe Freude, die er bei den Worten Niccolo's empfand, erleuchtete ſeine Seele, wie ein Sonnen⸗ ſtral, und ließ ihn jetzt erſt erkennen, wie tief ſeine Liebe zu Laudomia eingewurzelt war. Seine Züge heiterten ſich bald wieder auf, er wendete ſich zu Nic⸗ colo, der ihn nicht ohne Verwunderung betrachtet hatte, und ſagte:
„Gerade die allzu gute Meinung, die Ihr von mir hegt, macht mich ſo nachdenklich. Ich wünſche jedoch, ſelbſt auf die Gefahr hin, Eurer Gunſt wenig würdig zu erſcheinen, daß Ihr Alles erſahrt und mich ganz kennen lernt Ich würde fürchten, ſchlecht an Euch zu handeln, wenn ich Euch auch nur einen Gedanken verborgen halte. Seid Ihr dann mein Richter!——“


