—
45
domta's würdig nennen? Dieſes Engels! Wer darf fich ſo viel zutrauen, ihre Liebe zu hoffen?“—
Seit langer Zeit hatte Niccolo keine ſolche Freude empfunden, wie diejenige, welche er in dieſem Augen⸗ blick fühlte. Die gefühlvollen Worte des Jünglings überzeugten ihn, daß er weder von Laudomia noch von Lamberto eine Vereitlung ſeines liebſten Wunſches zu befürchten habe und daß er im Stande ſei, Bei⸗ der Glück für immer zu begründen. Es trat ihm das Wort auf die Zunge:„Sei getroſt, ſie liebt Dich!“ aber ein gewiſſer Stolz und leine Rückſicht für ſeine Tochter, die wir nicht übertrieben nennen wollen, hiel⸗ ten dieſe Aeußerung zurück. Jetzt kann es ja doch nicht fehlen, dachte er, das Beſte iſt alſo, wenn ſie ſich unter einander ſelbſt verſtändigen. Dann legte er ſegnend ſeine Hände auf das Haupt des Jünglings und ſagte lächelnd:
„Ei! eil was denkſt Du? Ein Soldat und an ſich verzweifeln? Ihr ſeid ja doch beide meine Kinder. Iſt es nicht meine Pflicht, daß ich das Eine ſo lieb habe, wie das Andere? Daher ſage ich Dir, ſie Deine Liebe verdient, ſo verdienſt Du die
rige.“
„O, ſagt das nicht!“ entgegnete Lamberto, und blickte ſinnend zur Erde.
Aber wenn er Laudomia wirklich mit einer Leiden⸗ ſchaft liebte, die ſtärker war, als er ſelbſt wußte, was ließ ihn in ſo ſchwermüthige Betrachtungen verſenken? Aus Allem, was wir bisher zur Entwicklung von Lam⸗ berto's Charakter geſagt haben, konnte der Leſer ſeinen edlen Sinn und ſein überaus feines Zartgefühl zur Genüge kennen lernen, um dieſes Nachfinnen nicht all⸗ zu ſeltſam zu ſinden.
Obgleich Laudomia der Gegenſtand ſeiner erſten und der einzigen Liebe geweſen war, die wirklich ver⸗ diente, ein Herz wie das ſeinige auszufüllen, obgleich dieſe Liebe ſeit ven Ereigniſſen, die ſie zwar zurückge⸗


