Teil eines Werkes 
5.-7. Bdchn. (1845)
Entstehung
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War vieſes Hinderniß ein eingebildetes oder ein wirkliches 2 Auf dieſe Frage hätte Lamberto ſelbſt keine Antwort geben können; es denke ſich alſo der Leſer, ob es uns gelingen könnte. Am beſten wird es vielleicht der Verlauf dieſer Geſchichte darthun. Wir wollen alſo den ZJüngling den Wogen ſeiner Gefühle überlaſſen, und die andern Bewohner des Hauſes Lapi aufſuchen, denn Riemand außer Liſa blieb in dieſer Nacht von Sorgen und quälenden Gedanken verſchont.

Nachdem Laudomia das Ehepaar in ſein Gemach geführt hatte, ſchloß ſie ſich in dem ihrigen ein und ſank auf einen Betſchemmel vor einem Madonnenbild nieder, ein Werk des ſeligen Angeliko von Fieſole. Sie ſammelte ihre Gedanken zum Gebet und von Gott wen⸗ dete ſich ihr Gedanke auf ihr Vaterland, ihren Vater, ihre Schweſter, für Alle flehte ſie die Güte Gottes an und dankte ihm für deren Rettung aus der letzten Ge⸗ fahr. Wer ſie ſo beten ſah in andächtiger Stellung, mit gefalteten Händen, geſenkten Augen iedern, mit ih⸗ ren reinen edlen Zügen hätte das Bild der heiligen Jungfrau für ein Abbild ihrer eigenen Geſtalt halten können. Nach einigen Minuten erhob fie fich, legte ihr Gewand ab und warf ſich aufs Lager. Während ſie die Kleider wechſelte, waren ihre Bewegungen von der Art, daß auch das ſchamhafteſte Auge nicht nöthig gehabt hätte, ſich abzuwenden, denn bei ihr war die Scham⸗ haftigkeit nicht Studium, nicht Tugend, ſondern Natur.

Bald ſank ſie in Schlaf, es währte aber nicht lange, ſo weckte ſie ein Geräuſch, deſſen Urſprung ſie ſich im erſten Aufſchrecken nicht erklären konnte. Sie überzeugte ſich aber bald, daß es von Schritten über ihrem Zimmer herrührte, und natürlich richteten ſich jetzt ihre Gedanken auf Lamberto und durchliefen nach einander alle Beziehungen, in welchen ſie ſeit der frü⸗ heſten Kindheit mit ihm geſtanden hatte. Mit Wonne verweilte ſie bei demjenigen Zeitraume, in welchem Lamberto ſeine erſte Liebe ihr geweiht hatte; denn Lau⸗