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unter einem Dache mit ihm in den Armen besſenigen befand, für den ſie ihn verrathen hatte. Daß er die⸗ ſes ertragen mußte, daß er Beiden verziehen hatte, alle dieſe Umſtände waren ſo ſeltſam,“ ſo uͤberraſchend, daß ſie ihm wie ein Traum vorkamen. Das war eine ſchwere Laſt, ein bitterer Kelch für Lamberto, um ſo mehr, da er die Erfahrung noch nicht gemacht hatte, daß jedes Lebensjahr eines Menſchen bei ſeinem Schei⸗ den irgend eine Hoffnung mit ſich forinimmt und irgend einen Schmerz zurückläßt. Er befand ſich noch in dem Alter, in welchem man das Glück zwar noch für fern, aber doch für erreichbar hält, wo man glaubt, das Glück ſei, ſo zu ſagen, der gewöhnliche Lebensgang,
das Unglück nur eine Ausnahme. Nun, da er das
Vergangene vergeſſen und den Planen und Wünſchen ſo vieler Jahre entſagen ſollte, tröſtete er fich mit dem Gedanken: Ich hatte einmal Unglück, ich wußte es nicht recht anzufangen. Er täuſchte ſich mit der trüge⸗ riſchen Hoffnung, künftig werde er ſich eine beſſere Zu⸗ kunft bereiten können, er glaubte, daß der Rath ſeiner Mutter, den er wie einen göttlichen Befehl ehrte, ihn ſicher zur Glückſeligkeit führen werde und ihm die Ruhe des Herzens verſchaffen könne, von der er ſich noch ſo entfernt fühlte. Er dachte an Laudomia, die er, wie wir ſchon erwähnt haben, von Kindheit an, noch vor Liſa geliebt hätte, wäre ſie ihm nicht zu erhaben und göttlich erſchienen. Er ſuchte ſich ein neues, ganz von feiner Liebe erfülltes Leben vorzuſtellen. Während je⸗ doch ſeine Phantaſie dieſes Bild verfolgte, bebte ſein Herz von einem unmerklichen Etwas zurück, was er ſich noch nicht entſchließen konnte, in nähere Erwägung zu ziehen; er ſchien ſich vor einer tiefern Erforſchung ſeines Innern zu fürchien, um nicht auf Etwas zu ſtoßen, was vielleicht mit einem Schlage alle ſeine Hoffnungen vernichte, ihn daran verhindere, ſeiner Mutter zu gehorchen, und ihn als der Liebe des En⸗ gels Laudomia unwürdig erſcheinen laſſe.


