Teil eines Werkes 
5.-7. Bdchn. (1845)
Entstehung
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Und ich, Herr Niccolo, nehme, wenn Ihr von ietzt an mich als Euren Sohn betrachten wolli, dieſen Schwur auf mein Haupt und mit der Hilfe Gottes und des ſeligen Bruders Girolamo, der von jetzt an mein einziger Schutzheiliger und Fürſprecher ſein ſoll, bin ich überzeugt, daß er nicht zu meinem Verderben gereichen wird.

So hoffe auch ich, entgegnete Nicolo. Dann ſtellte er ihm nach einander ſeine Söhne vor:Dieſer iſt Averardo, dieſer Vieri, hier Bindo, und dieſer iſt Lamberto.

Dieſer Name machte Troilo beben, denn er wußte von dem, was früher zwiſchen ihm und Liſa vorge⸗ gangen warz; ſie aber ſchlug die Augen nieder und er⸗ blaßte. Niccolo ſchwieg nachdenklich einige Minuten; dann betrachtete er Lamberto, welcher mit finſterer Miene unbeweglich daſtand.

Lamberto! Niccolo hat verziehen. Höre auf die Ermahnung Deines Vaters, mein Sohn! Es han⸗ delt ſich hier nicht um uns, ſondern um Florenz, es handelt ſich um das Vaterland. Denken wir an die

dieſem angethane Beleidigung, nicht an die uns wider⸗

ſahrene! Der Untergang iſt vor unſern Augen, dür⸗ fen wir an etwas Anderes denken, als an die Gefahr des Vaterlandes? Einheit! Eintracht! Bei Goit, Florenz, ganz Italien weiß, daß Staaten, welche Par⸗ teiungen zerrütteten, immer dem Erſten Beſten zur Beute geworden find. Gegen die Feinde unſerer Frei⸗ heit, gegen die Verräther, die ſich gegen unſere Repu⸗ blik empörten, muß der Haß, die Kraft und das Schwert jedes Einzelnen ſich wenden; doch der Be⸗ reuende ſei als Bruder empfangen. Erinnert euch an

den Tod des Lorenzo von Medici, der ſelige Bru⸗

der Girolano bot ihm die Verzeihung und das Erbar⸗ men Gottes unter der einzigen Bedingung, dem Staate, deſſen er ſich mit Unrecht bemächtigt hatte, ſeine Rechte und dem Volke die Freiheit wieder zu geben. Er