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Auch erinnerte er ſich in dieſem Augenblick an Baccio Valori, an ſeine Freunde im Lager, er glaubte ihre Geſichter vor ſich zu ſehen, wie ſie über ſeine Zer⸗ knirſchung lachten und ihn verſpotteten; er befeſtigte fich mehr als je in ſeinen erſten Gedanken und einſehend, daß wenn er nicht ſeine Partei bei dieſer Gelegenheit vollkommen hintanſetze, Verdacht über ſein Benehmen er⸗ wachen könnte und das völlige Fehlſchlagen ſeiner Unternehmung daraus folgen würde, beherrſchte er ſein Geſicht und ſeine Haltung und bereitete ſich, ſo zu ſprechen, daß die Verſtellung vollkommen gelang.
Was Niccolo betrifft, ſo hatte dieſer beim Anblick Troilos eine unbeſchreibliche Aufgeregtheit gefühlt, aber dieſe in ſein Herz zurückdrängend, betrachtete er ihn faſt neugierig, wie der Mann ausſähe, der die Urſache ſo großer Verwirrungen geweſen war.—— Er iſt ſchön, das läßt ſich nicht läugnen, ſagte er zu ſich ſelbſt. Dann fügte er gleich hinzu: Wie konnte ſich doch Liſa in dieſen verlieben? Denn wenn er auch den Au⸗ gen Niccolos gefallen hatte, ſo war er doch von ſei⸗ nem Herzen zurückgewieſen worden. Aber er beachtete dieſes Urtheil nicht, indem er es für die Wirkung des Haſſes, den er bisher für ihn gefühlt hatte, hielt, und er hatte ihn kaum das Knie beugen ſehen, als er zu ihm ſagte:
„Steht auf, Herr Troilo, Liſa ſteh auf, und hört mich an!“
Als ſie ſich beide erhoben hatten, fuhr Niccolo fort:
„Wenn ich euch die Thüre meines Hauſes öffnete, ſo geſchah es nicht in der Abſicht, euch böſe Worte zu ſagen oder euch Vorwürfe über das Vergangene zu machen. Was mich betrifft und die Beleidigungen, die ihr mir angethan habt, ſo bin ich zufrieden, ſie euch freimüthig zu verzeihen, und verſpreche ſie auch ganz und für immer zu verlöſchen, gleichwie Gott meine Sünden verlöſchen mag. Aber ich will, daß Ihr wiſſen ſollt, Herr Troilo, und ich ſag es Euch nun mit offenem


