Teil eines Werkes 
5.-7. Bdchn. (1845)
Entstehung
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horſame Kinder freundlich aufnehmen und ihnen ein liebender Vater ſein.

Während der Mönch ſprach, hatte ſich Liſa bebend genähert und fiel zu den Füßen des Vaters auf die Kniee, ihr Haupt ſenkend und halb hinter den Leib ihres Kindes verbergend, welches ſich beim Anblick ſo vieler unbekannter Leute mit ſeinen Händchen an die Mutter klammerte. Auch Troilo hatte ein Knie zur Erde ge⸗ beugt, ein wenig weiter rückwärts. Als er ſich in Gedanken auf dieſe Seene vorbereitete, hatte er ſich vorgenommen, ſich durchaus nicht zu einer ſo erniedri⸗ genden Handlung einem Seidenhändler gegenüber her⸗ abzugeben; er würde den für einen Narren gehalten und verlacht haben, der ihm das zugemuthet hätte. Aber als er in dieſes Gemach eintrat, hatte ihn die hohe majeſtätiſche Geſtalt des hochbetagten Volksman⸗

nes, die imponirende Würde, welche auf Niccolo's Stirne glänzte und in ſeiner Haltung erſchien, der

Verſtand und die Kraft, die in ſeinen Blicken leuchteten, alles das hatte ihn ſo verwirrt, ſo überwunden, daß ihm auf einmal aller Stolz entfiel und daß er ſich ſo klein, ſo verächtlich dieſem Mann gegenüber vorkam, daß er faſt, ohne zu wiſſen wie, von einer unbekannten und un⸗ überwindlichen Kraft zu ſeinen Füßen geworfen wurde. In dieſem Augenblick fühlte er ſeine Kühnheit ſchwin⸗ den, dem niedrigen Verrath ſeine Hilfe zu leihen, es kam ihm vor, als ob der erſte Blick des Greiſes ihm bis tief in das Herz gedrungen ſei und deſſen ganzes verbrecheriſches Geheimniß ſogleich erkannt hätte; es fehlte wenig, ſo hätte er ſeine Knie umfaßt, Alles be⸗ kannt und um Verzeihung gefleht. Aber ihn dahin zu bringen, konnte nicht die bloße Bewegung dieſes erſten Anblicks hinreichen, ohne daß ſich damit eine der tu⸗ gendhaften Regungen verband, welche manchmal auch die Schurken am Rande des Abgrunds aufhalten. Doch ſolcher Regungen war die Seele Troilos nicht mehr fähig.