14
„O habe Dank, mein Troilo, Du haſt mir eine ſchwere Sorge vom Herzen genommen!.„
Mit dieſen Worten wand ſie ihren Arm um ſei⸗ nen Nacken und blieb einige Augenblicke in ſprach⸗ Umarmung; dann fügte ſie, ihre Augen trocknend,
inzu:
„Wir dürfen darüber den armen Arriguccio nicht vergeſſen. ich hätte ihn gern ein wenig beſſer ge⸗ kleidet, aber das arme kleine Geſchöpf beſitzt Nichts, als dieſe armſeligen Lumpen.“
Während ſie das Kind auf ihren Schoß nahm, um ſeine Haare und Kleidung einigermaßen zu ord⸗ nen, verkündete die Glocke des Palaſtes die Hälfte der zweiundzwanzigften Stunde. In einer halben Stunde ſollte ſie den ſchweren Gang antreten.
Das Herannahen der ſo heiß erſehnten Stunde erfüllte ihr Herz mit einem unnennbaren Grauen; mit jeder Minute fühlte ſie alle ihre Pulſe heftiger ſchla⸗ gen und die dunkele Ahnung einer freudenloſen Zu⸗ kunft durchzuckte ihre Seele. Sie wandte ſich bald in kurzem heißen Gebete zu Gott, bald umarmte ſie das Kind oder blickte auf Troilo, in der Hoffnung, aus ſeinen Mienen Muth und Stärke für den ſchweren Gang zu ſchöpfen. Aber er ſaß, das Haupt gedanken⸗ voll in ſeine Hand geſtützt, am Fenſter und blickte mit ſtarrem Auge auf die Straße, wie es ſchien, mit ganz anderen Dingen beſchäftigt. Während Liſa vergeblich hoffte, einen ſeiner Blicke auf ſie oder ihr Kind ge⸗ — zu ſehen, ſchlug die furchtbare dreiundzwanzigſte
tunde.
Sie fühlte einen Augenblick ihre Kniee wanken, aber das Blut Niccolo's, welches in ihren Adern floß, ſiegte ſchnell über dieſe Anwandlung von Schwäche. Nach einem kurzen Gebete um den Beiſtand Gottes, nahm ſie das Kind auf ihren Arm und folgte dann ſchweigend mit feſten Schritten dem vorangehenden Troilo nach dem Kloſter, an deſſen Pforte bereits der


