Teil eines Werkes 
5.-7. Bdchn. (1845)
Entstehung
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O, wie ſchön ſtehen Dir dieſe Kleider! Du haſt wohl daran gethan, ſo einfache Farben zu wählen, mein Troilo, denn mein Vater liebt nicht die prun⸗ kende Tracht, worin ihr Krieger Euch zu kleiden pflegt. Laß Dich doch einmal betrachten! Wie ſchön Du biſt!. Wer dürfte ſich wohl in Florenz mit Dir vergleichen?

Troilo, der hievon mindeſtens eben ſo vollkommen überzeugt war, als Liſa, drückte ſtatt der Antwort ei⸗ nen Kuß auf ihre Lippen, der wohl mehr ein Almoſen, als Zärtlichkeit war, den aber Liſa für das Letztere nahm, da die Zeit noch nicht gekommen war, wo ihr Wahn verſchwinden ſollte.

Mein Troilo, fuhr Liſa ſchmeichelnd fort, ihre weiße Hand in ſeine dunkelen Locken bergend;ich weiß, daß Du meines Rathes nicht bedarfſt und daß Du mich vielleicht auslachen wirſt. ober ſieh, ich kenne meinen Vater. auf den erſten Blick flößt er Furcht ein. ja, lache nurich weiß wohl, daß Du die Furcht nicht kennſt ich wünſche aber doch nicht, daß Dich der durchbohrende Blick ſeines Auges ſo ganz unvorbereitet träfe Und dann wirſt Du ſelbſt einſehen, daß er Urſache hat, auf uns zu zürnen. Er dürfte Dir vielleicht einige harte Worte ſagen.ober nicht wahr, Du wirſt ſie er⸗ tragen? aus Liebe zu Deiner Liſa. Bedenke, daß auch ich viel erduldet habe, obgleich mir das Glück, mit Dir wieder vereinigt zu ſein, dafür reichlichen Er⸗ gewährt. Nicht wahr, mein Troilo, Du deuteſt mir dieſe Warnung nicht übel und die unfreundlichen Aeußerungen meines Vaters werden keinen Zorn in Dir erregen?

Rede nicht weiter, geliebte Liſa, Du kennſt mich wenig, wenn Du glaubſt, daß ich dieſen Fall nicht vorausgeſehen habe. Ich bin ſogar darauf gefaßt, von Niccolo ſelbſt Beleidigungen zu ertragen.