12
Rache nicht durch die Flucht entziehe, worauf ich um ſo ſicherer zähle, da ich weiß, wem ich dieſen Auftrag ertheile.“
„Dafür laßt mich ſorgen!“— ſprach Nobili, in⸗ dem er das Schreiben in den Kamin warf und es in Aſche verwandelte.
Der Haß, welchen er gegen Niccolo hegte, ſtammte aus früheren Jahren, wo ſich Benedetto bei der Ver⸗ waltung eines Staatsamtes den Ruf der Beſtechlichkeit zugezogen hatte. Als ihn Niccolo eines Tages über einen Bürger, den ein gleicher Verdacht traf, mit gro⸗ ßer Strenge urtheilen hörte, unterbrach er ihn mit den Worten:„Wer Andere eines ſolchen Verbrechens an⸗ klagen will, der darf ſich deſſen nicht ſelbſt ſchuldig ge⸗ macht haben.“
Benedetto erwiederte Nichts auf dieſen Vorwurf, gelobte ſich aber, dafür Rache zu üben. Seiner Ver⸗ ſtellungskunſt gelang es, ſich ſpäter mit Niccolo wieder auszuföhnen und ſogar von ihm ein bedeutendes Dar⸗ lehn zu erhalten, welches er verwendete, um damit das Schweigen eines Zeugen ſeiner Vergehungen zu erkaufen. Zum Danke ſuchte er jetzt das Verderben Riccolos anzubahnen, ſowohl um ſeine Schuld auf dieſe Weiſe zu bezahlen, als um ſich wegen der erlit⸗ tenen Beſchimpfung zu rächen.
Troilo war inzwiſchen zu Liſa gegangen, um dort die Stunde zu erwarten, wo ſie den Bruder Benedetto aus St. Marco abholen ſollten, um von ihm nach dem Hauſe der Lapi geführt zu werden. Auf das ausdrück⸗ üche Verlangen ſeines Oberen ſollte auch Fanfulla ſie dorthin begleiten, um nöthigenfalls durch ſein Zeugniß die näheren Umftände der Entweichung aus dem Torre del Gallo zu beſtätigen.
Als Liſa ihren Troilo in der neuen Kleidung ein⸗ treten ſah, errieth ſie ſogleich ſeine Abſicht bei der der dunkeln Farben und rief freudig über⸗ raſcht:


