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Niecolo ſeit fünfzig Jahren, Ihr kennt meine Gedan⸗ ten, und wie ſehr ich immer um die Ehre dieſes ar⸗ men Hauſes bekümmert war. Ich hätte mir nie ein⸗ gebildet, daß mir das begegnen ſollte, was ſich mit mir zugetragen hat. Doch Gott hat mir dieſen Kelch dargereicht und will, daß ich ihn vollends leeren ſoll— ſein heiliger Wille geſchehe!“
Und heftig bewegt, ſetzte er nach einer kurzen Pauſe hinzu:
„Ich verzeihe Troilo und Liſa.“
„Herr Niccolo,“ ſagte der Mönch, indem er ihm die Hand auf den Arm legte,„Gott wird ſich dieſer Eurer Worte erinnern und ich, der ich Euch kenne, wie Ihr ſagt, weiß, was ſie Euch koſten, und deßhalb auch, was ſie werth ſind.“
So ſprechend erhob er ſich, nach San Marco zurückzukehren, um dieſe angenehme Neuigkeit Troilo ungeſäumt zu überbringen. Niccolo hielt ihn jedoch zurück, von dem unwiverſtehlichen Drange erfaßt, ſein Herz vor dem Freunde auszuſchütten.
„Ja,“ ſprach er düſter,„ich verzeihe ihm, aber ich kann es nicht verbergen, es wird mir ſehr ſchwer. Wie Ihr wißt, Bruder Benedetto, kam jeder Schlag, der ſeit dem Jahre 1434, wo Cosmus zurückkehrte, bis auf den heutigen Tag, jeder Schlag, der unſere Stadt oder mein Haus traf, von den ſchändlichen Palleschi. Um ihrerwillen ruhen die Gebeine meines Paters in fremder Erde, durch ihr Beiſpiel ward die⸗ ſes einſt ſo fromme und ſittliche Volk dergeſtalt vergif⸗ tet, daß Florenz zu einem zweiten Sovom geworden. Durch ſie erlitt der heilige Bruder Girolamo den Mär⸗ tyrertod, und jetzt, ſich nicht damit zufriedengebend, das Blut ihrer Mitbürger zu vergießen, rufen ſie auch noch jene fremden Räuberbanden herbei, um das Hei⸗ matland gänzlich zu verwüſten. Der verworfene Papſt ſegnet die Waffen, welche ſeine Mitbürger zer⸗ fleiſchen und die Stadt, die ihn geboren, zerftören


