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den an, der aufrichtig bereut, er freut ſich mehr über einen bekehrten Sünder, als über neun und neunzig Gerechte. Herr Nieccolo, wollt Ihr ſeine Gerichte auf⸗ halten, wollt Ihr Euch unverſöhnlicher zeigen, als die ewige Gerechtigkeit ſelbſt?“
Der nachdenkliche Greis antwortete nicht und über⸗ legte mit geſenkter Stirne und gerunzelten Brauen, ob er ſich wohl genugſam auf ſich ſelbſt verlaſſen dürſte, um zu geſtatten, daß ein Mann, welcher bis dahin ſein größter Feind geweſen war, ihm vor die Augen komme. Es ſchien ihm dies etwas ſo Ungeheures und überfiel ihn ſo unerwartet, daß es nur natürlich war, daß er einige Zeit brauchte, um ſich darein zu finden.
Hätte er nur der Eingebung ſeines Herzens Gehör geſchenkt, ſo würde er dem Mönch eine entſchieden ab⸗ ſchlägige Antwort gegeben haben. Allein ſein Wider⸗ willen wurde durch die Ueberzeugung beſiegt, daß er den bekehrten Troilo, den Retter ſeines Sohnes, nicht mehr anſehen dürfte, wie den Pallesco Troilo, und daß er demſelben doch früher oder ſpäter vergeben müſſe, da ſich die Verbindung mit Liſa nicht ungeſche⸗ hen machen ließ.
Als er hörte, wie ſich die Sache zugetragen hatte und wie der wachhaltende Soldat getödtet worden war, kam es ihm nicht mehr vernünftig vor, an Troilo's Aufrichtigkeit zu zweifeln, und da der Greis von Na⸗ tur nicht gewöhnt war, Umſchweife zu machen, ſagte er endlich:
„Wer ein Freund dieſes Volkes iſt und für ſeine Freiheit kämpft, kann nicht mehr Feind des Niccolo de Lapi ſein. Dem Unrecht, das Troilo mir that, ſtebt nun, wie ich einſehe, eine große Wohlthat entgegen. Sodann müſſen auf jede Weiſe bei dem öffentlichen Unglück die Privatangelegenheiten in den Hintergrund treten. Sie würden nur die Gemüther getrennt hal⸗ ten, wenn es am Nöthigſten iſt, daß ſie vereinigt find.
„Bruder Benedeito,“ fuhr er fort,„Ihr kennt


