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Anders wollen kann, als was wir wollen.“ Aus dem Kloſter getreten und ſeine Schritte ſo ſehr beſchleuni⸗ gend, als ſein Alter es zuließ, befand er ſich an der Thüre der Lapi. Im Hauſe befand ſich nur Laudomia, der Vater und, ſeit wenig Augenblicken angekommen, der junge Bindo, für welchen ſie, da ſie den Tag vor⸗
her Nichts von ihm erfahren hatten, in ſehr großer Be⸗
ſorgniß geweſen waren. Kaum angekommen, war er ſogleich zu Niccolo gegangen. Dieſer hatte ihn mit umwölktem Geſicht und rauhen Worten empfangen, durch welche jedoch die Freude hindurch ſchien, die er fühlte, vor ſich geſund und wohl behalten denjenigen von ſeinen Söhnen zu ſehen, welcher ihn allein ſeine gewohnte Strenge zuweilen vergeſſen machen konnte, und für welchen er, da er ihn in ſo zartem Alter ſol⸗ chen Gefahren ſich ausſetzen ſah, mehr bebte, als für die andern.
Bindo fürchtete, dem innern Gefühl gemäß, wel⸗ ches das Kind auf die Gedanken und Neigung ſeiner Eltern achten lehrt, weniger, als irgend Einer den Zorn und das ſtrenge Geſicht Niccolo's, und wie er es verſtand, ſich gegen ihn in den Augenblicken des Zorns geſchickt zu benehmen, bat er ihn nun, ohne irgend Entſchuldigungen aufzuſuchen, um Verzeihung, ſich ohne ſeine Erlaubniß in eine ſo ſchwierige Unternehmung ein⸗ gelaſſen zu haben, aber, ſagte er, er habe den Wunſch nicht unterdrücken können, zu gleicher Zeit die Stadt und ſeine Schweſter zu rächen, und als er ihm frei⸗ müthig Alles erzählte, was mit ihm vorgegangen war, als er daran kam, zu beichten, daß er ſchon mit dem
Strick um den Hals im Begriff war, die Leiter zum
Galgen empor zu ſteigen, konnte der arme Greis, der ſchon bei ſo vielen Dingen in ſeinem Leben ſtandhaft geblieben war, ſich nicht enthalten, ſeinem Sohn um den Hals zu fallen, und ein roſenfarbener Schmelz be⸗ lebte für einige Augenblicke die Bläſſe ſeiner Wangen.
Mit ungeduldiger Haſt fragte er nun, wer ihn


