Teil eines Werkes 
1.-4. Bdchn. (1845)
Entstehung
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unverhofften Freude hingab, ihn nicht nur liebevoll und treu wieder zu finden, ſondern auch ihn entſchloſ⸗ ſen zu ſehen, die Partei zu verlaſſen, durch welche er immer ihrem Vater und der Stadt feindlich geblieben wäre, hätte Liſa in der Zukunft leſen können, das Herz deſſen kennen, der jetzt für ſie die Quelle ſo großer Wonne war, ſie hätte ſich aus dieſem Bette, wie aus einem Neſt von Schlangen heraus geſtürzt, und auch dieſe geringe Erquickung, dieſe kurze Ruhe wäre der Unglücklichen verſagt geweſen, welcher noch ſo viel zu leiden übrig blieb.

Statt deſſen fühlte ſie, die Zukunft nicht ahnend, endlich nach ſo großen Stürmen eine heitere und ver⸗ trauende Ruhe in ihrem Herzen entſtehen, und es ſchien ihr leicht, ſo wie ſie nach Florenz zurück gekommen wären, die Gunſt des Vaters durch die Umwandlung Troilo's wieder zu erlangen, deren ganzes Verdienſt, wie ſie dachte, ihr zugeſchrieben werden würde. Daher hoffte ſie, auch bei Niccolo noch größere Gunſt, als vorher zu erlangen. Ihr Herz verſprach ihr alles Gute und die Arme gab ihm Gehör. Sich ganz dieſen Träumen von Glückſeligkeit überlaſſend, ſchlief ſie nach und nach ein, während Fanfulla, in der andern Ecke des Gemachs ſitzend und ihr den Rücken drehend, ſich damit beſchäftigte, Pſalmen und Predig⸗ ten herzuſagen, die von den letzten Ermahnungen des Bruders Benedetto in ſeinem Gedächtniß waren. Um den Schlaf zu überwinden, was jedoch beſchwerlich wurde, hielt er ſeinen Leib in der Schwebe, ohne ſich anzuleh⸗ nen, die Hände auf den Knien gefaltet, und ſprach zwar leiſe, aber deutlich und ſchnell; dann nach und nach wurde die Bewegung ſeiner Lippen weniger raſch, ſeine Augenlieder fielen herab, ſein Kopf und ſein Kör⸗ per beugten ſich langſam vorwärts, endlich verlor er das Gleichgewicht ganz, aber ſich bald wieder aufraf⸗ fend, nahm er ſeine frühere Haltung wieder an, und