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„Herr Troilo, wenn es auch keine ſehr lobens⸗ würdige Handlung iſt, Einem Eines zu verſetzen, der nicht darauf gefaßt iſt, ſo will ich Euch auch doch in dieſem Fall, der nicht zu den gewöhnlichen gehört, einen dieſer Schurken niedermachen helfen oder auch alle beide.—“
Da dankte ihm Troilo und ſagte ihm, es ſei nicht klug, wenn mehr als einer an dieſe That gehe, welche ganz davon abhing, daß ſie nicht gehört würden, deß⸗ halb möchte er ihm allein das Geſchäft überlaſſen, da er die Gelegenheit des Hauſes kenne, und für das Ueb⸗ rige ſollten ſie nicht fürchten.
Es war eine Stunde nach Mitternacht, und gegen drei Uhr hatten ſie ſich entſchloſſen, Hand ans Werk zu legen, auch indeſſen berechnet, daß ſie gegen Tagesan⸗ bruch ſchon ſehr weit vom Lager entfernt ſein könnten. Troilo, welcher auf Alles, was geſchehen konnte, wenn die Sache ihren richtigen Gang haben ſollte, zu denken hatte, überredete Liſa, ſich aufs Bett zu werfen und die kurze Zeit, die übrig blieb, auszuruhen. Das
Mädchen fühlte ſich deſſen ſehr bedürftig und willigte
ein. Als ſie ſich niedergelegt hatte, bedeckte ſie Troilo mit ſeinem Mantel und ging hinaus, indem er ver⸗ ſprach, ſo ſchnell er könne, wiederzukehren, und bei⸗ fügte, ſie ſollte nicht ängſtlich werden, wenn er zögern würde, denn unfehlbar werde er zu der beſtimmten Stunde kommen, ſie zu wecken..
Es iſt doch ein großes Glück, daß es dem Men⸗ ſchen verwehrt iſt, die Zukunft kennen zu lernen. Die wenigen glücklichen Augenblicke, die wir von Zeit zu Zeit genießen, und die uns die Schmerzen des Lebens ertragen helfen, wären verloren oder wenigſtens auf
eine ſehr kleine Zahl beſchränkt. Die arme Liſa, welche
nach ſo vielem Leiden mit ihrem Kind auf dem Bett ihres Gatten ruhte, den ſie gefürchtet hatte nicht mehr wieder zu ſehen, odet, wenn ſie ihn wieder ſehen würde, von ihm zurück gewieſen zu werden, welche ſich der


