298
und konnte ſich nicht entſchließen, das Leben im Lager, das zwar manchmal ein wenig hart, aber doch frei, voll Ausgelaſſenheit und mit den Vergnügungen, deren er ſich im Hauſe des Prinzen erfreute, gewürzt war, mit dem langweiligen und traurigen Leben einer be⸗ lagerten Stadt voll Predigten, Prozeſſionen und Bü⸗ ßungen zu vertauſchen, wo es ihm gerade noch zukom⸗ men würde, in dem ſtrengſten Hauſe und unter dem gefürchtetſten und ſtarrſinnigſten Mann der Piagno⸗ niſchen Partei zu wohnen. Wenn alſo Baccio Valori, mit ſo vielen Gedanken im Kopf, mit dem beſtändigen Kampf gegen ſo viele verſchiedene Launen ſehr ſchlecht zufrieden war, und wenn er allein und betrübt vaſaß, ohne die Fröhlichkeit und Vergnügungen, die ihn um⸗ gaben, zu theilen, ſo iſt das nicht zu verwundern und vielmehr Gott zu danken, daß es in dieſer Welt zu⸗ weilen mehr Mühe koſtet, den Spitzbuben zu machen, als ein ehrlicher Mann zu ſein. Als das tägliche Spiel geendet war, trat ein Haufen dieſer Jünglinge in den Sal und, unter ſich verſchiedene Späſſe treibend, ka⸗ men ſie haſtig und lärmend auf das Kamin zu, und ſtießen, wie närriſch vorbeilaufend, ungeſchickt an den Lehnſeſſel, in welchem Baccio ſaß. Dieſer drehte ſich grimmig und brummend um, während Troilo ſich ihm näherte und lachend zu ihm ſagte:
„Erzürnt Euch nicht, Herr Baccio, und verſcheucht dieſe Gedanken, denn Euer Geſicht wird jeden Tag um eine Elle länger. Wißt Ihr nicht, daß hundert Jahre übler Laune keinen Heller Schulden bezahlen?“
„Du biſt ein großer Narr und hätteſt Du an et⸗ was Anderes als an dieſe Späſſe gedacht, ſo wäre es viel beſſer für Dich geweſen. Setze Dich einen Augen⸗ blick nieder, Du ſollteſt doch müde ſein von der Teu⸗ felei, die ihr bis jetzt getrieben habt.“
„Müde? nie, Herr Baccio, und wenn Ihr woll, daß wir noch vier Gänge machen, werdet Ihr Euch davon überzeugen.“


