294
die Hofthüre mit einem Bogen und Thürenpfoſten. Die genſter des Erdgeſchoſſes, welche in ſchönem Verhält⸗ niß und mit anmuthigen Entfernungen von einander, nach dem Styl des Bramantesco eingerichtet find, find mit großen Eiſengittern verwahrt, die vom oberen Ge⸗ fims herabgingen und ſich an einen breiten Vorſprung, von zwei Tragſteinen gebildet, lehnten. In dem Ge⸗ bäude zur Linken desjenigen, der von dem Thor der Straße aus eintrat, wohnte der Prinz mit ſeinen Edel⸗ leuten und Pagen, in dem zur rechten Hand waren die Diener mit ihrem Gepäck und Pferden.
In dem Hof, der von dem röthlichen Lichte der Kienfackeln erleuchtet wurde, befanden ſich viele Gefäße mit Orangenbäumen, von den Gärten des Landhauſes dahin gebracht, um ſie vor der Art der Soldaten zu ſchützen, und vienten als Rechen für die Hellebarden der Landsknechte, welche das Thor inne hatten. Außer⸗ halb deſſelben, längs den Mauern hin, erwarteten viele Pferde, geſattelt und gezäumt und von Lackeien gehal⸗ ten, ihre Herren. Dieſe indeſſen ließen es ſich wohl ſein, bei Würfel und Flaſchen, neben einem guten Feuer, in wohleingerichteten, ganz von Lichtern ſtralenden Sälen, während jene von der Kälte und Langeweile leiven mußten, gerade dieſelbe Idee, wie ſie ein engliſcher Lord gefaßt, der eine Miethkutſche nimmt, die ihn vor der Thüre eines Balls bei fünfzehn Grad unter Rull erwarten muß.
Als das Eſſen geendet, und die Tafel verſchwun⸗ den war, kamen Karten und Würfel; der Prinz, in eine karmoiſinrothe Kaputze, mit Sammet gefüttert gekleivet, unter welcher er nichts weiter hatte, als ein Wamms und hirſchlederne Hoſen, um jeden Augenblick bereit zu ſein, die Rüſtung anzuziehen, jpielt Landsknecht mit Don Ferrante Gonzata, Co Deſſanſegonto, Pier Luigi Farneſe und ungefähr zehn ſpaniſchen und deutſchen Offizieren. Er hatte einen Haufen Goldgulden vor ſich, ſetzte auf jeden Poſten eine Hand voll, und wie fich


