Sie ſetzten ihren Weg fort und nachdem ſie eine halbe Stunde emporgeſtiegen waren und ſich einen hal⸗ ben Büchſenſchuß weit von S. Margherita entfernt befanden, ſchien es Fanfulla Zeit, inne zu halten; er fand ein Gebüſch, das ſehr gelegen war, als Verſteck zu dienen, und ließ Liſa ſich dahinein verbergen, indem er ihr mit der Hand den Durchweg durch die dichten Zweige öffnete. Unter dieſen Büſchen waren viele Dornen, die man wegen der Dunkelheit nicht bemer⸗ ken konnte, außer man fühlte, daß man ſich damit in den Finger geſtochen hat, aber das Schlimmſte war, daß einer von dieſen Dornen, als Fanfulla die Hand zurück⸗ zog, mit der er ſie berührt hatte, durch ſeine Schnell⸗ kraft an ſeinen frühern Ort zurückkehrend, mit Gewalt an die Wange des Kindes ſchlug. Bis dahin war es faſt immer von Fanfulla getragen worden und die Be⸗ wegung des Gehens hatte es eingeſchläfert, aber nun, von dieſen Dornen geritzt, ſchrie es, ſo laut es ſeine Kehle vermochte. Sie legten ihm beide eilig die Hände auf den Mund, aber theils aus Rückſicht, daß es nicht erſticken möchte, theils, weil es ſich krümmte, konnten
e nicht vermeiden, daß dieſe Stimme im Quartier des Colonna gehört wurde. Fanfulla bemerkte, als er ſich umſah, auf einmal um den Olivengarten her⸗ um ſich viele luchtende Punkte bewegen, gleich Irr⸗ lichtern, und als erfahrner Mann bemerkte er, daß es Soldaten mit den angezündeten Lunten ihrer Büchſen waren, die nach der Richtung des Geſchreies zueilten.
Ihre Schritte und die Stimmen ertönten bald ſehr nah' und ein ſpaniſcher Soldat ſchrie dem andern vor⸗ aus mit einem gewiſſen plumpen Gelächter:
„Ahora, ahora voy a darle tal santiguado a este ninno que non ha de despertarse hasta el dio
del juicio.“*
*) Nun nun! Ich will dir das Kind ſchweigen machen, daß es nicht mehr aufwachen ſoll bis zum Tag des Gerichts.


