ſer der Brille und das Geſicht des Laienbruders in gleiche Linie zu bringen; er betrachtete ihn einen Augen⸗ blick, als ob ihm ſeine Miene dazu dienen ſollte, die Doſis in der Predigt, die er ihm halten wollte, abzu⸗ meſſen. Das Geſicht des Bruders Giorgio war reu⸗ und demüthig, aber in dieſem Augenblicke mochten Beſcheidenheit und Demuth auf ſeinem Geſichte Furcht erregen.
Der gute Greis faßte jedoch Muth und den Wider⸗ willen überwindend, den er fühlte, ſo genau mit einem ſolchen Menſchen auf irgend Etwas einzugehen, nahm er die Brille ab, legte ſie auf das Buch und ſagte:
„Bruder Giorgio, ſeit einiger Zeit bemerke ich gewiſſe Dinge, die mir wenig gefallen. Ich hätte vielleicht früher als jetzt mit Euch darüber ſprechen ſollen, da ich aber zweifelte, ob ich nicht im Irrthum fein möchte, wenn ich von Eurem Benehmen übel dächte, und noch erwartete, Ihr könntet Euch in irgend einer Art ändern, bin ich ruhig geblieben, aber nun iſt es doch nöthig, daß ich meine Pflicht thue. Was ſind das für Neuigkeiten, mein lieber Sohn? Ich jinde Euch nicht mehr wie früher eifrig in Eurer Pflicht, ſonſt ward Ihr immer in der Kirche und von den Beichtſtühlen faſt nicht wegzubringen, ſonſt hörtet Ihr den Tadel mit heiterem Geſicht und gutem Willen zur Beſſerung an. Nun ſehe ich Euch immer mit fin⸗ ſterer Miene, wenn man mit Euch ſpricht, ſfieht es aus, als ob Ihr es übel nähmet, die Brüder ſagen nicht anders, Bruder Giorgio iſt ein ganz anderer ge⸗ worden, man kann nicht mit ihm auskommen. Er⸗ innert Euch, mein lieber Sohn, den beſten Theil Eu⸗ res Lebens habt Ihr dem Teufel gegeben, der Herr hätte Euch auf dem Wege zur Hölle laſſen können, er hat Erbarmen gehabt, ſtoßt nicht zurück, was er Euch
geſchenkt hat; nun da Ihr ihm den andern Theil ge⸗
weiht habt, kehrt in den Jahren Eures Lebens, die Euch noch übrig bleiben, nicht wieder um, mein lieber


