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Sohn. Heute Morgen und gar während der Meſſe, was denkt Ihr? eine ſolche Unordnung! ein ſolches Aergerniß!
„Es thut mir leid, Euch über Etwas tadeln zu müſſen, wobei ich mich ſelbſt mitſchuldig finde, ich möchte nicht(denn wir ſind alle des Erbarmens be⸗ dürftig), daß irgend ein Groll gegen Euch ins Spiel käme, weil Ihr über mich gelacht habt, über meine Verzagtheit. Ich habe auch gefehlt, mein Sohn, ich bekenne es; hätte ich, wie es meine Pflicht war, meine Gedanken auf Gott gerichtet gehabt, ſo wäre ich nicht von etwas Geringfügigem aus der Faſſung gebracht worden. Was haben wir alſo zu thun? Uuns beide erniedrigen, erkennen, daß wir gebrechliche Menſchen ſind, die ohne die Gnade bei jedem Schritt fallen kön⸗ nen und deshalb nicht ermangeln, was an uns liegt, zu thun, mit Gebeten und Büßungen ſie zu er⸗ langen.“
Bruder Giorgio, den ein ſtrenger Tadel vielleicht erzürnt hätte, fühlte ſich durch die Sanftmuth und die ſchlichte Demuth ſeines Obern gerührt.
„Ihr ſeid ein Heiliger,“ ſagte er zu ihm,„und ich habe tauſendfaches Unrecht gethan... aber...“
„Nein, mein Sohn, ich bin kein Heiliger, ich bin ein größerer Sünder als Ihr, und ich weiß nur zu ſehr, wie ich daran bin! Aber darum handelt es ſich jetzt gar nicht. Es iſt mir lieb, zu ſehen, daß Ihr Euren Irrthum erkennt, mehr wollte ich nicht: denn üble Gewohnheiten find wie das Unkraut, wenn man es auf der einen Seite ausrottet, ſo keimt es auf der andern wieder hervor. Ich habe Mitleid mit Euch, daß Ihr ſo lange Jahre unter den Soldaten gelebt habt, mitten unter zügelloſen Menſchen z da gewöhnt man ſich an dieſes ungebundene wechſelnde Leben; wenn dann ein Menſch ſich zur Ordnung begeben will, ſo koſtet das Mühe.. ich habe Mitleid mit Euch. Aber,“ (Cfuhr er lächelnd fort, um den Tadel mit ein wenig


