4
Ein ſolches Leben in fortwährendem Verlangen hatte ihm zuletzt den Schlaf völlig genommen und er glaubte, wahnſinnig werden zu müſſen. Bei Tage zeigte er ſich unverträglich gegen Seinesgleichen, verſchloſſen gegen ſeine Obern, und ſo oft ein Schuß aus den Stücken an ſein Ohr drang, ſagte er zwiſchen den Zähnen: So halte ich es nicht aus!
Als er in den Orden getreten war, war ſeine Geſundheit und ſeine körperliche Beſchaffenheit ge⸗ ſchwächt, von den großen ausgeſtandenen Leiden her⸗ abgekommen und vielleicht, ohne ihm Unrecht zu thun, hatte dieſe Abnahme ſeiner körperlichen Kräfte theilweiſe ſeinen Beruf beſtimmt; aber das ruhige und regelmäßige Leben hatte ihn wieder hergeſtellt, und als er ſich nun von Neuem ſtark und geſund, wie je einmal, fühlte, ſo hatte er Recht, zu ſagen: So halte ich es nicht aus.
Dieſe trefflichen Worte waren ſchon wieder aus ſeinem Mund gegangen, als er die Schritte eines Mannes vernahm, der ſich der Thüre näherte. Als er dort angekommen war, klopfte er zweimal mit den Fingerknöcheln an, und ſagte:„Deo gratias.“
„Deo gratias, auf immer! herein!“ antwortete Bruder Giorgio, aber die üble Laune, mit der er dieſe Worte ausſprach, ſtimmte wenig zu deren Sinn. Er öffnete und es trat ein Laienbruder herein und ſagte zu ihm:
„Bruder Benedetto verlangt nach Euch.“
Bruder Giorgio dachte ſich gleich, um was es fich handle, und ſagte: das geht mich an, jedoch ging er freimüthig hin, und auf dem Weg entſchloß er ſich, ſo⸗ bald ſich ihm Gelegenheit darbiete ſich um jeden Preis von dieſer Pein zu befreien.
Er traf ſeinen Oberen am Schreibepult„er hatte die Brille auf der Naſe und war beſchäftigt, den hei⸗ ligen Auguſtin in Folio zu leſen. Bruder Benedetto hob die Naſe in die Luft, um ſeine Augäpfel, die Glä⸗
C


